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Montag, 24. August 2026

Ford F350 als Alltagsauto?


Triff nie die Helden deiner Kindheit. Ob das auch für Autos gilt wollen wir heute mal herausfinden. Testobjekt ist ein 1995er Ford F350 mit Doppelkabine, Zwillingsbereifung und V8 Turbodiesel.  Als ich zehn oder zwölf Jahre alt war hätte ich mir genau so ein Vehikel gewünscht. Hauptsache richtig groß und auffällig mit vielen Lampen dran und überall Chrom und irgendwelcher Dekokram. Damals wusste ich auch noch nichts von Unterhaltskosten, Parkplatzproblemen und Fremdschämen. Das Leben war deutlich einfacher. 



Jetzt, gute 25 Jahre später haben, wir dank einer freundlichen Leihgabe eines uns wohlbekannten Autosammlers, diesen weißen Riesen vorm Haus stehen. Der ursprüngliche Plan ihn als Alltagsauto zu nutzen wurde dann doch wieder aufgegeben. Jetzt steht er die meiste Zeit herum und setzt Moos an. Eigentlich war der ursprüngliche Plan am Wochenende zum Doktorsee Oldtimer treffen zu fahren. Da der Pickup ein paar Jahre zu jung war um aufs Gelände zu dürfen sind wir stattdessen auf den Ford LTD Country Squire umgestiegen. Irgendwie haben wir es versäumt den Wagen danach gleich wieder zurück zu bringen. Vielleicht findet sich ja noch ein anderer Anlass oder Ausflugsziel wo wir hin fahren können. Hauptsache die Parkplätze dort sind groß genug für uns.



Unabhängig davon wo es hin geht, wollen wir nicht mit einem schmutzigen Auto dort ankommen. Also geht es erstmal zur Waschanlage. Mit etwas gekurbel kommen wir pannenfrei in die Waschbox rein. Die letzten Wochen stand der Ford dauerhaft unter irgendwelchen Bäumen. Entsprechend vollgesifft sind die Motorhaube, das Dach und die Ladefläche. Letztere dient uns als Plattform um den Dachbereich von oben waschen zu können. Anschließend sieht der Pickup schon etwas ansehnlicher aus. Dafür kommen jetzt die abgeblätterten Aufkleber und Lackschäden an den GFK Kotflügelverbreiterungen um so deutlicher zum Vorschein. Realistisch wäre hier eine teilweise Neulackierung die einzige richtige Lösung. 



Kaum das wir fertig sind kommt der Tankwart vorbei und unterhält sich ein bisschen mit uns. Ausgerechnet das Thema Spritverbrauch kommt dabei nicht einmal zur Sprache. Alle beteiligten sind sich darüber im klaren das so ein Kleinlaster nicht mit 10L Diesel bewegt werden kann - zumindest keine 100km weit. Das bringt uns zum nächsten logischen Schritt: auftanken. Der Ford hat gleich zwei Tanks. Beide rund 70L groß mit einem manuellen Umschalter im Armaturenbrett. Wir müssen zum Glück nur einen Tank voll machen. Das sollte für unsere Zwecke ausreichen. Wie viel der Pickup wirklich verbraucht wissen wir selbst nicht. 



Was wir wissen ist dass der Fahrer die ganze Zeit voll konzentriert sein muss um irgendwie zwischen den weißen Linien zu bleiben und mit den Außenspiegeln nichts abzurasieren. Letztere machen trotz ihrer Größe die Arbeit nicht wirklich einfacher da sie enorm weit überstehen. Und richtig eingestellt sind sie für uns auch nicht. Das wollen wir zuhause noch ändern. Letztendlich war WD40, ein langer 14mm Ringschlüssel und unangenehm viel Kraftaufwand nötig um die Spiegelarme nach innen zu rotieren. Jetzt stehen sie in einer Flucht mit den hinteren Kotflügeln. Und noch breitere Anhänger werden wir oder dieser Ford auf absehbare Zeit wohl nicht ziehen müssen. 



Nach der Wäsche fällt auch erst so richtig auf das die verchromten Auspuffrohre ringsherum ziemlich viele Rostpickel haben. Das versuchen wir mit Chrompolitur zumindest ein bisschen weniger ranzig aussehen zu lassen. Wir sind mit dem Endergebnis ganz zufrieden. Die alternative wäre wohl nur neue Rohre zu kaufen, oder die alten kurz abzuschneiden und eine Regenkappe wie beim Trecker drauf zu bauen. Das hätte den Vorteil wieder in eine normale Garagendurchfahrt zu passen. Diese Entscheidung können wir aber nicht selbst treffen. Im Moment ist unsere Halle ohnehin voll so das der Ford weiterhin draußen parken muss. Aber nicht all zu lange denn wir haben schon eine Ausfahrt vor. 



Zwar nur ein paar Dörfer weiter um einen Bekannten zu treffen, der mindestens genau so einen rostigen Nagel im Kopf stecken hat wie wir was alte Autos angeht. Über die Autobahn schwabbeln wir ohne funktionierende Klimaanlage aber mit offenen Dreiecksfenstern nach Oelde. Gemeinsam geht es in die Innenstadt um ein Eis zu essen. Natürlich durch die Innenstadt, vorbei an geparkten Autos und Blumenkübeln. Aber wir quetschen uns durch und finden sogar einen ausreichend großen Parkplatz. Die Ladefläche hat die passende Größe um als Picknicktisch herzuhalten. Wer braucht schon eine Parkbank. Wir haben alles dabei. Zum Glück auch einen Kanister Motoröl. Kurz vor der Heimfahrt meckert die (nachgerüstete) Öldruckanzeiger dass der Druck bei Leerlaufdrehzahl bedrohlich niedrig ist. Ein Blick auf den Ölpeilstab bringt die Erklärung; wir sind deutlich unter Minimum. Schnell zwei Liter auffüllen, dann sehen wir wieder besser aus. 



Offensichtlich hungert der Powerstroke Turbodiesel nicht nur nach Diesel sondern auch nach Motoröl. Das werden wir im Auge behalten. Außerdem prüfen wir (nachdem die Reifen wieder abgekühlt sind) den Luftdruck. Vorne 4.5bar hinten 3.5bar. Davon sind wir ebenfalls ein gutes Stück entfernt. Das könnte die Erklärung für das eierige Fahrverhalten sein. Zumindest in Anbetracht der AT-Reifen und der Twin I-Beam Achsaufhängung an der Vorderachse. Der lose Holzkranz vom nachgerüsteten Sportlenkrad hilft sicherlich auch nicht. Hier reicht es immerhin die kleinen Schrauben etwas nachzuziehen. Am liebsten würden wir uns auch noch darum kümmern sämtliche nicht (mehr) funktionierenden Lampen und Leuchten in Ordnung zu bringen. Aber dafür fehlt uns leider wirklich die Zeit. 



Aber zumindest ein kaputtes Bauteil können wir auf gar keinen Fall so stehen lassen: die kaputte Hupe. Da hat man schon extra ein Zugseil im Dachhimmel und einen großen Luftkessel auf der Ladefläche und nichts funktioniert. Das erste Problem ist noch ganz einfach zu lösen; der Tank ist leer. Da kein Kompressor im Pickup verbaut ist muss er erstmal an die Luftleitung in der Garage angeschlossen werden. Jetzt hört man zumindest schon mal ein leises Rauschen wenn der Schalter betätigt wird. Dann wissen wir schonmal das die Elektrik und das Magnetventil noch funktionieren. Fehlt nur die Fanfare selbst. Entweder wir kaufen jetzt zwei neue, passend zu den bereits vorhandenen Teilen, oder wir schauen was noch in der Wühlkiste liegt.



Zufällig haben wir noch ein Mini-Trainhorn herumfliegen das niemand braucht weil es unter keine Motorhaube passt. Aber hier passt es perfekt unter die Ladeflächenabdeckung. Nur ein paar Schrauben und ein Metallwinkel sind nötig damit es festhält. Ach ja und ein paar neue Verschraubungen und etwas Plastikleitung um das Magnetventil mit der Tröte zu verbinden. Die lokale Lkw Werkstatt hat zum Glück alle nötigen Teile auf Lager, nicht günstig aber dafür direkt passend. Speziell bei den vielen verschiedenen Arten von Gewinden im Pneumatiksektor macht es wenig Sinn auf gut Glück Teile im Netz zu bestellen die nicht passend. Jetzt kann der Ford endlich wieder richtig Druck machen. Der Funktionstest erfolgte am darauffolgenden Samstag als uns bei einem weiteren Ausflug geschätzte 40 alte Trecker entgegen kamen. Ich wills mal so sagen, wir haben uns alle sehr gefreut.


Jetzt kommt der Ford zurück nach Hause und wir fahren direkt mit dem nächsten Dickschiff zurück in die Garage: Hedwig die Ambulanz hat bald wieder einen großen Auftritt und muss ebenfalls fertig gemacht werden.   














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