Beim Kauf eines gut 46 Jahre alten und unrestaurierten Automobil darf man nicht erwarten das alles perfekt aussieht und funktioniert. Das ist einfach ein Fakt des Lebens. Die Frage ist nur ob man das für immer so belassen will oder die Probleme löst. Wir wollen es doch zumindest versuchen und für den Anfang ein relativ belangloses Teil tauschen das den praktischen Nutzwert von Herschel dem Kombi deutlich steigern sollte; das Fangseil der Hecktür.
Wobei eigentlich ist es nur ein Fangseil wenn die Hecktür als Heckklappe genutzt wird. So fortschrittlich waren die Amerikaner schon damals mit ihren Familienautos. Je nachdem wie es gerade praktischer ist kann die Tür nach unten oder seitlich geöffnet werden. So sie denn nach unten geklappt wird muss das Fangseil wie der Name schon vermuten lässt irgendwann zum Tragen kommen, sonst hält nur die Heckstoßstange das schwere Teil hoch. Und genau das ist leider bereits einmal im Leben dieses Ford passiert, die Abdrücke links und rechts vom Nummernschild sprechen da eine eindeutige Sprache.
Daraufhin wurde beim Vorbesitzer ein neues Fangseil bestellt und montiert. Schließlich ist es viel Lustiger auf der offenen Heckklappe zu sitzen wenn man irgendwo steht und Pause macht, oder wenn mal besonders sperrige Ladung transportiert werden muss. Leider war das Ersatzteil damals nicht so richtig passend und ein gutes Stück zu kurz, so dass die Klappe nicht mehr volle 90° geöffnet werden kann. Zusätzlich ist das neue Seil deutlich dünner als das Alte so das man vielleicht doch nicht mit zwei kräftiger gebauten Menschen (Stichwort deutsche Mast) darauf sitzen sollte.
Eigentlich könnte es so einfach sein dieses Fangseil zu tauschen; eine Schraube an der Heckklappe und eine Schraube an der Karosserie lösen, altes Teil raus, neues Teil rein und alles genau so wieder festschrauben. Leider haben Ford Konstrukteure damals in ihrem grenzenlosen Wahnsinn die Türscharniere und Fangbolzen nicht einfach mit Schrauben und Muttern festgemacht sondern mit Stehbolzen die an eine Montageplatte geschweißt wurden welche ihrerseits mit der Tür verbunden sind, so dass sie als komplette Einheit entfernt werden muss. Natürlich reicht es nicht nur die obere Platte zu lösen sondern auch die untere.
So oder so kommen wir an die Muttern für diese Schrauben nur heran wenn die linke Seitenverkleidung im Kofferraum demontiert ist. Trotz zweier Reparaturanleitungen müssen wir hier selbst herausfinden wie diese Verkleidung zerstörungsfrei aus dem Weg geschafft werden kann. Als erstes öffnen wir das kleine Staufach und schrauben die Klappe ab. Anschließend alle Schrauben vom Staufach zur Seitenverkleidung entfernen. Jetzt halten noch ein paar Schlitzschrauben die lange Metallschiene auf dem Boden fest sowie drei Schrauben im vorderen Bereich hinter der Rücksitzlehne und B-Säule.
Sobald alle Schrauben entfernt sind kann das komplette Verkleidungsteil vorsichtig angehoben und aus seiner Leiste unterhalb des Seitenfenster gezogen werden. Mit der Verkleidung und dem Staufach aus dem Weg kommt man ohne Probleme an die Muttern heran (drei oben, vier unten). Wir waren beim Umbau nur zu Zweit und haben uns sicherheitshalber einen Hocker mit Schaumstoffauflage als Stütze untergestellt. Die Tür ist wirklich sehr schwer. Mit etwas Fummelei gelingt es die unteren Muttern fast bis zum Gewindeende abzuschrauben und dann erst die oberen zu lösen. So kann die Tür zumindest nicht komplett abstürzen.
Mit dem neuen Seil an Ort und Stelle musste erstmal die Tür wieder richtig eingestellt werden, anderenfalls schleift sie über die Stoßstange und verkratzt alles. Unsere Lösung war die Tür soweit wie möglich nach oben und leicht schräg zu montieren. Runterhängen wird sie früh genug ganz von allein. So muss die Tür wenigstens nicht mit zwei Händen und voller Wucht zugeschlagen werden. Letztendlich war die ganze Arbeit dann doch irgendwie umsonst gewesen da das neue Seil jetzt ein Stück zu lang ist. Immerhin war es nicht all zu teuer und die Lieferung in drei Werktagen echt phänomenal schnell. Sobald wir endlich genau das richtige Ersatzteil bekommen, dürfen wir alles nochmal wiederholen. Wir freuen uns.
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