Auch wenn das Wetter vielleicht nicht 100% erfolgversprechend ist, heute ist Sonntag und wir haben Bock auf ein Oldtimertreffen zu fahren. Besonders wenn es quasi direkt vor unserer Haustür stattfindet und wir zumindest einen Teil des Super-Bekanntenkreis aktivieren können um mit uns dort hin zu fahren. Ausserdem muss Herschel der Kombi auch dringend mal wieder bewegt werden. Aufgrund der heißen Tage und weil der Dachhimmel noch nicht fertig war, mussten wir darauf viel zu lange warten.
Die paar Kilometer bis ans Ziel schaffen wir erwartungsgemäß allesamt ohne irgendwelche Probleme, zumal irgendwann vor, neben und hinter uns nur noch alte Autos unterwegs sind. Das heißt wir sind auf dem richtigen Weg und bald da. Pünktlich um 10h zum offiziellen Start rollen wir auf Gelände, ganz offensichtlich gibt es jede Menge Frühaufsteher die sich vor uns auf den Weg gemacht haben. Aber egal, wir bekommen auch noch gute Stellplätze direkt nebeneinander. Das die Würstchenbude und der Getränkestand kaum 10m weit weg sind ist bestimmt nur ein Zufall gewesen. Aber wir werden darauf zurückkommen.
Jetzt wollen wir erstmal schauen wer und was hier heute so unterwegs ist. Da es ein Markenoffenes Treffen ist, erwarten wir vom Mofa bis zum Unimog alles zu sehen. Bedingt durch das große Gelände muss hier normalerweise niemand abgewiesen werden. Das finden wir äußerst sympathisch. Genau so wie die Tatsache das es keine wirkliche Trennung oder Sortierung gibt. Außer den Traktoren und Großfahrzeugen die im hinteren Bereich aufgereiht sind, stehen die Autos so wie sie angekommen sind. Egal ob Youngtimer oder Vorkriegsfahrzeug, Europäer oder Asiate, originalgetreu restauriert oder aufwändig modifiziert. Wie heißt es so schön? Für jeden Geschmack ist etwas dabei.
Das fällt uns besonders daran auf wie wenige "gleiche" Autos hier zusammen stehen. Selbst die üblichen Verdächtigen wie Golf 1&2, Mercedes W123-126 sind zwar vorhanden aber nicht in der absoluten Überzahl. So kommt jedes einzelne Auto besser zur Geltung und wird vielleicht auch mal länger und gründlicher angeschaut als einfach nur am Rande wahrgenommen zu werden. So wäre uns das grüne BMW E21 Cabrio welches von einer kleinen lokalen Karosseriewerkstatt damals so umgebaut wurde vermutlich durch die Lappen gegangen.
Das Gespräch mit dem Fahrer dieses BMW (und mit allen anderen netten Menschen die wir so getroffen haben) wahr sehr angenehm und liefert Details die sonst vielleicht keiner wüsste. Das ist der Unterschied zwischen einem Automuseum und einem Oldtimertreffen - die Leute mit denen man dort zusammen kommt um sich zu unterhalten. Ehrlicherweise mussten wir uns dazwischen entscheiden bei unseren Autos zu bleiben und Fachgespräche zu führen oder lieber das Gelände zu durchstreifen und andere Vehikel zu sehen. Wir haben uns für die zweite Option entschieden.
Mit dazu gestoßen ist zwischenzeitlich auch der Fahrer eines tiefergelegten Ford Fiesta MK3 Lkw der in seinem ersten Leben bei der Deutschen Bundespost im Einsatz war. Dann brauchen wir zumindest kein ganz schlechtes Gewissen zu haben dass wir den weißen Fiesta zu hause stehengelassen haben. Gegen dieses Einzelstück können wir einfach nicht anstinken. Allein schon weil wir einen Benzinmotor haben ;-)
Ebenfalls einen Benzinmotor hat mein persönlicher Favorit des Tages: ein 1941er GMC Dreiachser der in seinem ersten Leben für die US Armee im zweiten Weltkrieg gedient hat und anschließend als Wiederaufbauhilfe an die lokale Freiwillige Feuerwehr abgegeben wurde. Dort mussten die ehrenamtlichen Mitglieder in Eigenleistung ein Löschfahrzeug daraus bauen. Entsprechend der damaligen Möglichkeiten musste auf viele verschiedene gebrauchte Teile und in Handarbeit gefertigte Bleche zurückgegriffen werden. Nach Ende der offiziellen Einsatzzeit verschwand der Oldie in einem Museum. Jetzt, nach mehreren Jahren Arbeit ist der Lkw wieder komplett restauriert und voll einsatzbereit.
Kurz bevor wir uns ohnehin wieder auf den Heimweg machen wollen, hören wir noch ein vertrautes Geräusch mit dem wir heute gar nicht mehr gerechnet haben. Die Sirene von Hedwig dem Cadillac Krankenwagen. Am Steuer sitzt auch nicht der eigentliche Besitzer, der ist im Urlaub, sondern sein Kollege. Das soll uns auch recht sein. So schaffen wir zum Abschied immerhin noch ein Gruppenfoto zusammen zu machen. Jetzt heißt es aber wirklich ab nach Hause bevor der Regen los geht. So ganz 100% dicht ist das Dach von Herschel eben doch nicht.
Natürlich kam es wie es kommen musste und auf den letzten Kilometern öffnet der Himmel noch mal richtig seine Schleusen. Immerhin funktionieren die Scheibenwischer inklusive Intervallfunktion genau so gut wie am ersten Tag.





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