Über zu viel schlechtes Wetter können wir uns in diesem Sommer eigentlich nicht beklagen, wenn überhaupt war es schon wieder zu heiß zum Motorradfahren. Aber jetzt scheinen die Temperaturen wieder ein bisschen angenehmer zu werden. Genau die passende Zeit den Hocker aus der Garage zu holen und ein paar schöne Kilometer auf zwei Rädern abzuspulen. Ein bisschen Arbeit steht vorher allerdings noch an.
Mit einer frisch aufgeladenen Batterie und hoffentlich noch frischem Sprit im Tank wird die Suzuki aus ihrer Garage hervorgeholt und zum ersten Mal in diesem Jahr der Startknopf gedrückt. Insgeheim wären wir sehr überrascht wenn der Motor jetzt nicht sofort anspringen und sauber laufen würde. Schließlich handelt es sich um ein japanisches Motorrad aus den 90ern. Tatsächlich braucht es nur etwas Choke und ein paar Anlasser Umdrehungen und schon schnurrt der Einzylinder lautstark vor sich hin. Genau so haben wir uns das vorgestellt. Wer braucht schon Harley.
Wo der Motor schon mal läuft können wir direkt schauen ob irgendwas undicht ist und die Beleuchtung funktioniert. Soweit schon mal alles trocken und am leuchten. Dann trauen wir uns vielleicht mal eine kleine Proberunde auf dem Garagenhof zu drehen. Nur um zu testen ob die Bremsen funktionieren versteht sich. Eigentlich sind wir jetzt schon startklar. Aber zur Prüfung fahren dürfen wir so einfach nicht. Entweder wir schieben den Hocker bis zur Werkstatt oder wir nehmen einfach einen Anhänger, eine Auffahrrampe und ein paar Spanngurte. Das ist für uns die schnellste und beste Lösung. Auch wenn wir sehr gerne direkt losgefahren wären.
Bei der Hauptuntersuchung gibt es keine besonderen Überraschungen, auch wenn die selbstgebaute Rückenlehne samt Gepäckträger zunächst etwas für Verwunderung sorgt. Ansonsten gibt es nur den Ratschlag uns vielleicht doch mal neue Bremsbeläge fürs Vorderrad zu gönnen. Da in diesem Jahr einige lange Touren geplant sind, machen wir das auch direkt wenn wir wieder zuhause sind. Aber erst nachdem wir beim Teiledealer des Vertrauens Material besorgt haben. Das ist der Vorteil bei einem großen Händler, die haben wirklich fast alles auf Lager vorrätig. So können wir in der heimischen Garage gleich weitermachen.
Der Bremssattel wird von zwei Schrauben an der Gabel gehalten, diese lösen wir. Aber erstmal noch stecken lassen, damit wir die Halteschraube vom Bremsbelag im Sattel ebenfalls anlösen können. Das geht jetzt bedeutend einfacher als wenn der Sattel lose am Bremsschlauch hängt. Jetzt entfernen wir die alten Bremsbeläge und reinigen den Sattel erstmal. Leider passt das normale Bremskolbenrückstellwerkzeug welches wir normalerweise für Autos benutzen hier nicht. Aber ein Schraubendreher oder wie hier eine kleine Schraubzwinge funktionieren genau so gut. Anschließend werden die neuen Bremsbeläge wieder in den Sattel eingesetzt und die Schraube durchgesteckt.
Mit dem Sattel wieder zurück an der Gabel ziehen wir alle Schrauben wieder fest. Noch ein paar Mal den Handbremshebel ziehen bis wir einen festen Druckpunkt haben, dann ist der Belagwechsel auch schon erledigt. Da diese Maschine nur eine Bremsscheibe am Vorderrad hat geht es wirklich sehr schnell. Deshalb nutzen wir die freie Zeit und schauen uns gleich noch die Bremstrommel am Hinterrad an. Hier ist etwas mehr Aufwand nötig. Dafür gibt es außen an der Trommel eine Verschleißanzeige damit man nicht ganz ahnungslos ist. Aber wir wollen es genauer wissen.
Dafür lösen wir erstmal das Gestänge vom Bremspedal zur Trommel, die Klemmmuttern an der Achse und die Spannschrauben. Bis jetzt haben wir nur normales Handwerkzeug benötigt. Ab jetzt brauchen wir entweder ein paar Holzklötze oder einen richtigen Motorradwagenheber. Mit dem Hinterrad in der Luft können wir die Steckachse herausziehen und den Antriebsriemen von der Orgel nehmen. Mit etwas gewackel lässt sich das Hinterrad aus der Schwinge ziehen und anschließend die Bremstrommel öffnen. Außer etwas Bremsstaub sehen wir nicht schlimmes. Also kann alles wieder zusammengebaut werden.
Damit der Antriebsriemen möglichst lange lebt darf er nicht zu stramm oder zu locker eingestellt sein. Laut Werkstatthandbuch ist ein guter Zentimeter "Einfederweg" ausreichend. Zum Abschluss noch die Packtaschen dran und schon sind wir bereit für die Reise. Jedenfalls wenn morgen früh auf der Zulassungsstelle alles klappt. Eigentlich gibt es dabei nichts besonderes zu beachten, solange alle nötigen Unterlagen dabei sind. Am Ende bestand die größte Hürde darin ein passendes Kennzeichen auszusuchen. Auch das haben wir geschafft. Jetzt kann es aber wirklich los gehen.
Mit Sack und Pack vollgeladen hat man automatisch eine Rückenlehne für die langen Strecken. Sehr praktisch. In Verbindung mit den hochgelegten Highwaypegs und dem nach hinten gezogenen Lenker kann man es wirklich lange im Sattel aushalten. Genau das ist auch nötig wenn nicht nur der Weg das Ziel ist sondern man auch irgendwann mal ankommen möchte. Hoffentlich haben wir dafür auch mal wieder die Zeit und Gelegenheit.










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