Montag, 10. August 2026

Mit Herschel zum Doktorsee Oldtimertreffen


Tatsächlich war das Programm für dieses Wochenende eigentlich etwas anders geplant. Wir haben mal wieder einen nicht alltäglichen Leihwagen organsiert bekommen mit dem wir zum monatlichen Oldtimertreffen auf dem Piesberg in Osnabrück fahren wollen. Dort wären wir mit unserem 1995er Ford vermutlich gerne gesehen gewesen. Doch dann erfuhren wir von einer anderen Veranstaltung die zur selben Zeit anderswo stattfindet und angeblich immer eine Reise wert ist; das Oldtimertreffen am Doktorsee in Rinteln. Die Sache hat nur einen Haken; die Fahrzeuge dürfen nicht jünger als Baujahr 1988 sein. Damit ist unser Leihwagen leider raus. Auch der Fiesta darf nicht mit. Aber wir haben ja noch ein Ass im Ärmel und einen Kombi in der Garage. 



Ehrlicherweise haben wir kurz mit dem Gedanken gespielt einfach trotzdem mit dem "neuen" Auto dort hin zu fahren und unser Glück am Einlasstor zu versuchen. Aber wenn wir nicht reinkommen, müssen wir irgendwo außerhalb einen Parkplatz suchen. Auch doof. Die ganze Debatte ob es richtig/fair/schlau ist ein Oldtimertreffen das nicht explizit für Vorkriegsfahrzeuge oder Straßenkreuzer aus den 50er Jahren gedacht ist, für Fahrzeuge bis Baujahr 1988 zu begrenzen und damit einfach Autos die schon fast 40 Jahre alt sind auszuschließen wollen wir jetzt mal nicht anfangen. Wir haben das große Glück einfach einen anderen Oldtimer aus der Garage ziehen zu können: Herschel, der 1979er Ford LTD.



Da beide Autos keine (funktionierende) Klimaanlage haben, macht es im großen und ganzen keinen Unterschied womit wir heute fahren. Sonderlich schnell sind wir jedenfalls nicht unterwegs. Dafür hält sich der Benzinverbrauch auf der Anreise über die Autobahn zumindest in Grenzen. Mit offenen Seiten- und Heckscheibe weht zumindest etwas Wind durch den Innenraum. Kurz vorm Ziel stehen wir nochmal einige Minuten im Stau. Mangels entsprechenden Zusatzinstrumenten wissen wir leider absolut nichts darüber wie die Wassertemperatur oder der Öldruck gerade sind. Da nichts übergekocht ist, scheint der Ford damit gut zurecht gekommen zu sein. Mittelfristig wollen wir hier trotzdem gerne zumindest Anzeigen nachrüsten. Über einen Elektrolüfter zusätzlich vor dem Wasserkühler dürfte sich der Motor auch nicht beschweren. 



Irgendwann sind auch wir an der Reihe und dürfen aufs Gelände fahren, nachdem der Beifahrer 4,50€ abgedrückt hat. Im vorderen Bereich befinden sich eine Zelthalle und diverse Fressbuden sowie die Zweirad Parkplätze, wir müssen noch ein gutes Stück weiter nach hinten fahren. Vorbei an der Campingecke für Wochenendbesucher und dann einmal rund um den See. Dafür das wir ziemlich weit hinten stehen, haben wir immerhin einen Platz unter den Bäumen wo wir uns im Schatten hinsetzen können. Heute haben wir auch endlich mal daran gedacht die Klappstühle einzupacken. Alles richtig gemacht würden wir sagen. Die ersten ein oder zwei bekannten Gesichter haben wir auch schon ausgemacht. 



Nach einer kurzen Erfrischung gehen wir erstmal auf die weiter zurück liegende Wiese, hinter den Ferienhäusern. Wo sich bereits wieder einige Reihen geparkte Oldtimer zusammengefunden haben. Da Spektrum reicht über amerikanischer Vorkriegsfahrzeuge und deutsche Tuningwunder der 70er und 80er bis hin zu Landmaschinen und Lkw. Genau so haben wir uns das gewünscht. Gerade deswegen macht es für uns überhaupt keinen Sinn das Mindestalter auf ein bestimmtes Baujahr festzulegen (und auch nicht alle paar Jahre anzupassen). Aber das ist nicht unsere Entscheidung, wir müssen nur damit klar kommen. Ehrlicherweise gefällt uns die Lokation hier auch wirklich gut, so das wir hoffen im nächsten Jahr wieder zu kommen.



Mit insgesamt fünf Leuten im Schlepptau schlendern wir durch die Reihen und schauen womit die Leute hier heute so angereist sind. Bis jetzt ist mein persönlicher Favorit ein Ford E350 Krankenwagen der zum Wohnmobil umgebaut wurde, komplett mit Flammenlackierung und Flügeltür. Darin hat man sicherlich mehr Kopffreiheit und Stauraum als in der 1970er Cadillac Ambulanz die wir uns sonst immer mal wieder ausleihen. Wobei die anderen Fahrzeuge ringsherum auch schon echt nett aussehen. Während wir uns erstmal ein kalte Getränk einverleiben donnert neben uns ein Lanz Bulldog vorbei so dass die ganze Hütte vibriert. So wollen wir das haben. 



Als nächstes schreiten wir weiter in Richtung Eingangsbereich, hier stehen die Autos sauber aufgereiht neben und hintereinander. Gefühlt sind in heute verdammt viele Ford Capri und Opel Manta in allen möglichen Stadien der Originalität und Umgebaut vor Ort. Dazwischen eingestreut finden sich immer wieder Amischlitten und japanische Exoten. Aber viel seltener als ein Opel Ascona C Cabrio können die eigentlich auch nicht sein. Schön das irgendwann jemand meinte sowas bauen zu können und dann die letzten vierzig Jahre immer irgendjemand meinte das dieser Wagen zu schade für die Schrottpresse ist. Ebenfalls aufhebenswert ist dieser alte Ford Lieferwagen mit zeitgenössischem Kurvenlicht das über eine aufwändige Hebellage vom Lenkgetriebe angetrieben wird und wahlweise mitlenkt oder geradeaus leuchtet. 



Das wüssten wir alles nicht wenn die Besitzer nicht zur Gegend wären um uns die Geschichte ihres Wagens zu erzählen. Wer weiß wen wir alles verpasst und dumm sterben lassen haben weil wir nicht beim LTD geblieben sind sondern lieber schauen wollten was hier heute sonst herum steht. Immer ein echtes Dilemma. Vielleicht sollten wir mal ein Infoschild basteln und aufs Armaturenbrett packen. Oder wir bauen gleich ein komplettes Holztablett das perfekt auf die Form vom Kotflügel passt und legen direkt ein Fotoalbum aus. So wie der Besitzer dieses Mercedes Ponton dessen Motorraum so sauber ist das man davon essen könnte. 



Bevor wir uns jetzt langsam wieder auf den Heimweg machen, gönnen wir uns erstmal noch einen kleinen Mittagssnack in Form von frisch gebackenen Waffeln. Nebenbei schlendern wir über den Motorradparkplatz und weiter zur Händlermeile. Wir brauchen eigentlich gar nichts. Aber schauen kann man ja mal. Ein paar Aufkleber und Patches mussten dann doch mitgenommen werden. Auf dem Heimweg schickte uns das Navi über ziemlich schmale und kurvige Landstraßen. Dort konnte Herschel mal beweisen wie gut seine Straßenlage (nicht) ist. Wir haben jedenfalls großen Spaß gehabt und hoffen im nächsten Jahr wieder dabei zu sein. Vielleicht dann auch gleich das ganze Wochenende und dann schmuggeln wir unseren 95er einfach mit rein ;-)    

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