Vor lauter Fahrwerks- und Kühlerreparaturen in der letzten Zeit hat unser Schweißgerät schon Staub angesetzt. Das können wir nicht länger hinnehmen und endlich mal wieder eine rostige Karosserie retten. Wir haben zwar noch mindestens ein unfertiges Schweißprojekt zuhause stehen, aber das wird noch deutlich mehr Arbeit machen und hat keine besondere Priorität. Unter anderem weil in der selben Oldtimerscheune noch zwei weitere Baustellen stehen. Um eine davon kümmern wir uns heute. Vielleicht kommt sie so noch dieses Jahr zurück auf die Straße.
Für die nächste Fahrt auf öffentlichen Straßen braucht dieser Opel definitiv noch etwas mehr Arbeit. Die Aufhängung und Bremsen sind bereits komplett überholt und der Motor ist neu abgedichtet. Das Automatikgetriebe ist ein Buch mit Sieben Siegeln bei dem wir erst wissen ob es funktioniert wenn wir zur ersten Probefahrt aufbrechen. Unsere Aufgabe heute ist hoffentlich einfacher, schneller und erfolgsversprechender; wir sollen ein paar Löcher im Bodenblech vor dem Beifahrersitz verschließen. Da die Innenausstattung schon komplett ausgebaut ist können wir, sobald der Opel vom Autotrailer abgeladen ist, direkt mit der Arbeit beginnen.
Da erstens keine Reparaturbleche verfügbar sind und zweitens an dieser Karosserie schon mehrfach zeitwertgerechte Reparaturen durchgeführt wurden, haben wir nicht all zu viele Skrupel uns einfach selbst passende Flicken zurecht zu schneiden. Natürlich wäre es viel besser wenn die komplette Karosserie sandgestrahlt und neu nach allen Regeln der Handwerkskunst aufgebaut wird. Vielleicht wird das irgendwann auch nochmal gemacht. Aber wenn dieser Opel jetzt nicht irgendwie wieder zusammengeflickt und zurück auf die Straße gebracht wird, ist das ganze Projekt zum Scheitern verurteilt. Wir wollen keinen Spachtelbomber bauen aber irgendwo muss trotzdem eine pragmatische Lösung her.
Um überhaupt abschätzen zu können wir groß die Betroffene Partie ist, haben wir im Vorfeld schon alles mit dem Hammer und Schraubendreher abgeklopft. In jedem Fall haben wir genug neues Blech, Schutzgas und Schweißdraht auf Lager um alles wieder zu verschließen. Mit Schutzbrille und Staubmaske versuchen wir uns bestmöglich vor dem aufwirbelnden Dreck zu schützen. Ein altes Handtuch bewahrt hoffentlich das Armaturenbrett vor Schrapnell. Rostbedingt ist das Bodenblech an vielen Stellen schon sehr dünn geworden so dass der pneumatische Winkelschleifer überhaupt keine Schwierigkeiten hat durchzukommen. Alles was irgendwie gammelig ist wird ausgeschnitten.
Wir dürfen dabei nicht zu übermütig werden, unter dem Bodenblech befinden sich noch Holme und Querprofile die wir möglichst nicht beschädigen wollen - sofern sie noch stabil sind soll hier nichts geändert werden. Nur entrosten und anschließend konservieren ist die Devise. Den schlechten Schweißnähten und übereinander gestapelten Blechen nach zu urteilen muss hier mindestens einmal bereits ein neues Bodenblech eingeschweißt worden sein - ohne das originale Blech zu entfernen. Darum liegen jetzt in allen Hohlräumen große Rostflatschen herum die von Hand und mit dem Staubsauger entfernt werden müssen.
Das ist einer der Gründe warum wir uns vorerst keine zu hohen Ansprüche an die Qualität unserer Arbeit stellen. Ausserdem haben wir hier und heute nur einen knappen halben Tag Zeit mit allem fertig zu werden. Dann muss der Opel zurück in seine eigene Garage wo die restlichen Arbeiten stattfinden sollen, also Schweißnähte glätten und alles mit Rostumwandler behandeln. Zur Zeit besteht noch die Hoffnung (oder Illusion) dass dieser Wagen noch vor Ende des Jahres zurück auf die Straße kommt. Also ran ans Werk und weiter machen. Alle Rostnester sind rausgeschnitten, neue Blechstücke ausgemessen und zurechtgeschnitten worden. Jetzt geht es ans einschweißen.
Wir versuchen erst gar nicht alles mit einer einzigen durchgehenden Schweißnaht zu verschließen. Dabei würde zu viel Hitze ins Blech gebracht und wir brennen einfach neue Löcher durch die Karosserie. Punkt für Punkt arbeiten wir uns ringsherum immer weiter vor bis alles fertig ist. Parallel behalten wir immer den Unterboden im Auge ob hier irgendwas anfängt zu schmoren. Das selbe gilt für die Stromkabel welche unter der Einstiegsleiste verborgen waren. Speziell als das Stück innen am Schweller dran kommt muss häufiger Pause gemacht werden. In Anbetracht der Temperaturen ist uns das absolut recht. Immerhin kann man halbwegs bequem auf den Knien im Türeinstieg arbeiten.
Sobald alles abgekühlt und definitiv nicht in Brand ist, kann der Opel zurück auf den Autotrailer gezogen und nach Hause gebracht werden. Dort wird in den nächsten Tagen mit der Drahtbürste auf der Akkuflex das komplette Bodenblech von Rost befreit. Leider wurden dabei direkt wieder neue Rostherde und Löcher aufgerissen. Dieses Mal auf der Fahrerseite vorne und vor der Rücksitzbank. Das heißt dann wohl das wir diesen Opel mittelfristig nochmal in unserer Garage zu Gast haben werden. Wenn es soweit ist werden wir davon berichten. Und irgendwann am Ende der ganzen Mühen erwarten wir eine gemeinsame Ausfahrt mit dem zweiten alten Opel im erweiterten SZK Fuhrpark zu machen. Der sollte jetzt auch so langsam mal aus der Werkstatt entlassen werden.









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