Der Plan wurde erst geschmiedet und dann umgesetzt. Eines der beiden BMW Motorräder sollte verkauft und dafür ein neues Auto angeschafft werden. Aber bitte nicht irgendwas und schon gar nichts vernünftiges oder altersgemäßes, es sollte ein Cabrio sein. Zum ersten Mal im Leben oben ohne Auto fahren, wann immer man will (und das Wetter mitspielt). Die Auswahl ist groß und die Marktlage unübersichtlich. Also was genau sollte man am besten kaufen?
Außer das man mit offenem Verdeck fahren kann, haben Cabrios nicht automatisch viele Gemeinsamkeiten. Unterm Dach sind es ja immer noch normale Autos. Also entweder Kleinwagen (Mini Cooper Cabrio),Sportwagen (Mazda MX5), Kompakt-SUV (VW T-Roc Cabrio), Geländewagen (Jeep Wrangler) oder obere Mittelklasse (BMW 4er). Dann wäre da noch die Glaubensfrage ob Stoffdach oder Hardtop. Für uns soll es auf jeden Fall ein Metall-Klappdach werden da diese weniger Arbeit machen und auch wenn das Auto draußen parken muss mehr Schutz bieten. Das zweite Kriterium war eigentlich nur das es ein Viersitzer sein soll, nur falls man mal etwas mehr transportieren möchte.
Die üblichen Verdächtigen wie VW Eos oder Ford Focus Cabrio sind uns zu teuer oder haben einen zu schlechten Ruf mit undichten Dächern. Irgendwie kommt die Sprache auf den Volvo C70 der zweiten Generation. Bauzeit 2005 bis 2013. Bester Pluspunkt ist für uns der 2.4l Fünfzylinder Motor. Damals lange bevor es das Internet gab fuhren unsere Eltern schon einen VW Passat mit Fünfender und der Klang war damals schon super. Böse Zungen behaupten alles was so ein Motor kann ist die Leistung eines Vierzylinders mit dem Verbrauch eines Sechszylinders und dem Klang eines Achtzylinders zu kombinieren.
Da wir in diesem Haushalt alle drei Motoren gerade in Gebrauch haben, erschien uns das als Pluspunkt und nicht als Nachteil. Dabei fällt uns ein dass wir noch einen Dreizylinder für die Statistik brauchen. Heute geht es aber erstmal um einen Volvo. Die Marke war in unserem Haus bis jetzt noch gar nicht repräsentiert. In den letzten Jahrzehnten haben die zumindest ihr schrulliges Design ein wenig gefälliger gestaltet. Ob wir mit den restlichen Volvo-Eigenheiten Glücklich werden muss sich dann später zeigen.
Dafür müssen natürlich erstmal ein paar Verkaufsinserate gesichtet und ein potenzieller Kaufkandidat ausgewählt werden. Tatsächlich gibt es gar nicht so wenige C70 mit dem Motor welchen wir haben wollen, nur leider nicht wirklich in unserer Nähe. Der erste hoffnungsvolle Besuch endet eigentlich schon bevor er richtig angefangen hat. Beim Eintreffen auf dem Hof des Verkäufers steht das Cabrio mit laufendem Motor und ohne Nummernschilder vorm Haus. Direkt zwei rote Flaggen. Da in der Verkaufsanzeige explizit drin stand dass der Wagen angemeldet und eine Probefahrt möglich ist, sind wir überhaupt hier her gekommen. Trotzdem schauen wir uns den Wagen einmal an, selbst bei laufendem Motor will das Klappverdeck nicht funktionieren. Okay byeee.
Eine knappe Woche später steht der nächste Kandidat fest. Dieses Mal Lila statt Silber, nur 140 statt 170 Pferde unter der Haube. An sich identische Ausstattung (Leder, Klima, Schaltgetriebe) aber zusätzlich mit einer abnehmbaren Anhängekupplung und 8fach Bereift. Das klingt doch schon mal interessant. Dieses Mal ist der Wagen auch wirklich startklar - und wurde vorher nicht extra warmlaufen gelassen. Das schafft schonmal vertrauen. Auch die Probefahrt mit roten Nummernschildern vom Verkäufer ist kein Problem. Die Sitzprobe und Testfahrt verlaufen ohne negative Erlebnisse. Dann geht es jetzt nur noch um die Details. Wenn am Preis schon nichts mehr gemacht werden kann, soll wenigstens noch eine frische Inspektion und Hauptuntersuchung gemacht werden. Das dabei auch der Zahnriemen gewechselt werden muss ist ein wichtiger Hebel um genau diesen Wagen zu favorisieren.
Wieder eine Woche später ist der Volvo bei der Werkstatt durchgewartet und getüvt worden. Mit Kurzzeitkennzeichen unterm Arm lassen wir uns zum Abholtermin bringen. Hoffentlich haben wir gutes Wetter damit die erste längere Fahrt mit offenem Dach direkt voll ausgenutzt werden kann. Eine passende Schiebermütze wurde natürlich auch schon gekauft. Auch mit nur 140PS unter der Haube kommt man flott genug voran um ordentlich Fahrtwind zu produzieren. Dank des Windschott geht das auch bei Landstraßentempo ohne wilde Turbulenzen im Innenraum zu haben. Soweit hat sich die Investition schon mal gelohnt.
Ein paar Tage danach ist auch der Termin auf der Zulassungsstelle erledigt und der Volvo bekommt die alten Kennzeichen von der BMW F850GS die er beerbt hat. Gerüchteweise wird das Cabrio weit mehr Kilometer machen als das Motorrad, egal ob offen oder geschlossen. Schließlich wird es planmäßig das neue Alltagsauto. Der blaue Passat steht für den Winter und größere Transporte in der Garage. Dank des Klappverdeck ist der Kofferraum wirklich nicht sehr groß und für Getränkekisten kaum geeignet. Dafür kann man jetzt im Baumarkt Langmaterial ohne Anhänger abtransportieren, das ist doch auch was wert.
Keinen Wert hatte hingegen die Autobatterie. Schon am zweiten Tag im Alltagsbetrieb wurde der Anlasser verdammt müde und hatte kaum Energie den Motor noch anzureißen. Mit dem Tester hatten wir die schnell die Bestätigung unserer Theorie: die Batterie hats hinter sich. Wer weiß wie lange der Volvo bis zu unserem Kauf herumgestanden hat, das findet keine Batterie toll. Im Netz gab einen neuen Akku in der richtigen(!) Größe für einen fairen Preis und der Einbau war auch kein Hexenwerk. Jetzt schnurrt der Anlasser wieder kraftvoll. Bleiben wir gespannt was in den nächsten paar Tausend Kilometern noch so passiert.









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