Freitag, 15. April 2011

Frage 8: Haltungsschäden beim Automobil

Nach dem der Winter jetzt endgültig vorbei ist und alle davon sprechen die Winterreifen gegen Sommerreifen tauschen zu lassen, ist mir beim Reinfenwechseln aufgefallen, dass vorne die Reifen an der Innenseite weniger Profil haben als am Rand. Wie kommt das?
-Jakaster

Ungleicher Verschleiß (Linke Seite, Vorne & Hinten)


Warum die Reifen am Auto ungleichmäßig ablaufen (verschleißen) kann viele Ursachen haben. Die drei Hauptgründe sind jedoch falsche Einstellung des Fahrwerks, falscher Luftdruck in den Reifen und falsche Fahrweise.

Falsche Fahrweise: Wer immer mit viel Gas und quietschenden Reifen an jeder Ampel startet um gleich darauf wieder voll in die Eisen zu steigen bis es schwarze Striche gibt (natürlich nur ohne ABS), sorgt für einen rasanten Profilverlust und ein freundschaftliches Verhältniss zum örtlichen Reifenhändler. Besser ist es sowohl für die Umwelt als auch für das Auto wenn man sanft bremst und beschleunigt und ein durchdrehen der Räder vermeidet. Denn dabei geht das Profil in Rauch auf und die Reifen verschleißen in Zeitraffer.

Genauso sollten Kurven nicht mit maximalem Tempo durchfahren werden, denn wenn die Reifen quietschen und gegen die Fliehkraft ankämpfen müssen verteilt sich der Gummi noch schneller auf dem Asphalt. Besondere Gummifresser sind Leistungsstarke Heckgetriebene Fahrzeuge die beim beherzten Angasen schlagartig Gummi in Rauch verwandlen. Und -auch wenn es unlogisch erscheint- normale Fahrzeuge mit Frontantrieb im Stadtverkehr. Dort muss viel im Stand gerudert werden um in die Parklücken zu kommen, was dank der Servounterstützung keine große Kraft erfordert die Reifen aber stark beansprucht. Ausserdem wird bei einem Fronttriebler praktisch alles über die beiden Vorderräder geleitet was das Fahrzeug bewegt. Antriebskräfte, Lenkbefehle, 70% der Bremskraft. Die Hinterräder laufen quasi nur mit und halten das Auto in der Spur.


Falscher Luftdruck: Für jedes Auto hat der Hersteller einen der Bereifung und Beladung angepassten optimalen Luftdruck vorgeben. Dieser kann meist im Einstiegsbereich oder Handbuch nachgelesen werden. Wird der Druck nicht beachtet und der Reifen verliert im laufe der Zeit nach und nach Luft, beginnt die Seitenwand zu kolabieren und der Reifen drückt mit den Flanken (Aussenrand) stärker auf die Straße als in der Mitte. Man kann dies leicht erkennen wenn die Reifen am Rand kaum Profil haben und in der Laufflächemitte noch mehr Profil zu sehen ist.

Genau das Gegenteil lässt sich beobachten wenn der Luftdruck zu hoch gewählt wird und die Reifen immer höher und schmaler werden bis nur noch die Reifenmitte kontakt zum Boden hat und die Aussenränder quasi in der Luft hängen und kaum verschleißen. Die Reifenmitte jedoch um so schneller 'blank' ist.


Bei falschem Luftddruck verschleißen die Reifen nichtnur unnötig schnell, das Auto wird auch instabiler, da die sich bei zu geringem Druck die Reifenflanken stärker verformen und das Auto schwammig wird. Die selbe Reaktion zeigt sich bei zu hohem Druck, da der Reifen nur auf einem kleinen Stück der Lauffläche tatsächlich Bodenkontakt hat fehlt dem Auto beim Lenken und Bremsen die Traktion um die Impulse tatsächlich umzusetzen, der Wagen untersteuert und benötigt mehr Platz zum stoppen.


Falsche Fahrwerkeinstellung: Wer schonmal ein Auto gefahren ist, das geradeausfährt obowhl das Lenkrad schief stand, hat wohl die gravierendste Auswirkung einer falschen Fahrwerkseinstellung erlebt. Doch selbst wenn man noch garnichts merkt, kann das Fahrwerk so verstellt sein, dass die Reifen schneller als nötig verschleißen und der Wagen sich im Grenzbereich anders als geplant verhält.

Je nach Bauart des Fahrwerks (Starrachse, Einzelradaufhängung, Doppelquerlenker, McPherson etc.) variiert das Maß an Einstellmöglichkeiten. Bei manchen Fahrzeugen kann an der Hinterasche nur die Spur verstellt werden. An der Vorderachse kann normalerweise immer Spur und Sturz eingestellt werden. Dies sind die beiden wichtigsten Einstellungen am Fahrwerk.

Der Sturz gibt an wie die Räder in der Hochachse ausgerichtet sind, stehen sie fast senkrecht oder schon so schräg das nur die Innenkante des Gummis den Boden berüht? Je nach Fahrzeug und Hersteller sind die Sturzwerte verschieden, immer darum bemüht den optimalen Kompromiss aus Handling und Reifenverschleiß zu finden.

Die Spur gibt an wie die Reifen in Relation zur Fahrzeuglängsachse ausgerichtet sind. Zeigen sie geradeaus, nach innen, außen oder zur Seite? Die Spur beeinflusst wie gut ein Auto geradeaus fährt und ob es bei hohen Geschwindigkeiten anfängt auf der Fahrbahn zu wandern.

Reifenschaden durch Nägel und Schrauben -kann Geflickt werden

Wie im Beispiel beschrieben zeigen sich Fehler in der Fahrwerkseinstellung spätestens beim Blick auf die Reifen, ungleichmäßiger Reifenverschleiß ist ein sicheres Indiz für Fahrwerksprobleme. Leider ist man in solchen Fällen auf eine professionelle Werkstatt angewiesen da mit Hausmitteln kein zufriedenstellendes Ergebnis erzielt werden kann. Selbst minimale Einstellungen an den Stellschrauben der Spurstangen können gravierende Wirkungen haben. Im besagten Fall musste das Auto eine Stunde lang auf der Einstellbühne maltretiert werden bis die festgegammelten Schrauben endlich nachgaben und sich die Parameter wieder im grünen Bereich befanden. Allerdings nur unter äußerstem körperlichen Einsatz des Monteurs. Offensichtlich ist niemand mehr am Fahrwerk tätitg gewesen seitdem das Auto die Fabrik verlassen hat. Und das ist laange her!

Einschnitte in der Lauffläche -wenn sie zu tief sind, ist der Reifen Schrott.

Was kann man also tun um die Lebenserwartung der Reifen zu verlängern? Abgesehen vom sanften Fahren wie Eingangs beschrieben, schadet es nicht das Auto mal -ohne speziellen Verdacht- in die Werkstatt zu bringen und das Fahrwerk einstellen zu lassen. Die Preise liegen je nach Werkstatt zwischen 75 und 100€. Ausserdem sei allen die Rotationstaktik zu empfehlen. Dabei werden jährlich die Reifen an Vorder- und Hinterachse vertauscht. Also vorne Links nach hinten Links und umgekehrt. Aber niemals Links und Rechts vertauschen, die Reifen sind Laufrichtungsgebunden! Im Falle des A4 hatten die Vorderreifen nach 2,5 jahren nurnoch etwa halbsoviel Profil wie die Reifen der Hinterachse. Da das Auto bisher Ganzjahresreifen hat, bot sich nie die Gelegenheit die Reifen zu rotieren. Absofort wird sich das natürlich ändern.

Profiltiefe immer Mittig messen, am besten an mehreren Stellen

Und wenn man nun immer behutsam Fährt und seine Reifen regelmäßig rotiert und immer den optimalen Luftdruck einhält, können die Reifen auch nach mehreren Jahren mehr Profil haben als der Gesetzgeber vorsieht (mindestens 1,6mm) -muss ich sie dann trotzdem austauschen? Rein rechtlich gesehen gibt es dazu keine Veranlassung in keinem Gesetz steht geschrieben wie alt Autoreifen maximal sein dürfen. Auch der TÜV schaut sich den Zustand der Reifen an, nicht aber das Alter. Selbst 10 Jahre alte Gummis dürfen noch benutzt werden, wenn sie keine Alterungserscheinungen zeigen wie beispielsweise Haarrisse in der Seitenwand oder eben zu geringe Profiltiefe.

Abgewetzte Flanken durch Bordsteinparken

Natürlich ist es trotzalldem Ratsam die Reifen nach spätestens 8 Jahren auszumustern, da mit der Zeit das Gummi seine elastizität verliert und der Bremsweg sich verlängern kann.

-Comickus

2 Kommentare:

  1. Sehr informativ. Da kann ja sogar ich als "Miss Reifen 2011" noch was lernen.
    Mal so ganz am Rande: Ich warte noch immer auf meine Scherpe!

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  2. Wenn wir mit den alten Reifen genug Gummi gelegt haben bastel ich dir eine aus der Karkasse!
    -Comickus

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