Freitag, 6. Februar 2026

Opel Kapitän Havarist kommt in die Werft


Je älter das Auto desto mehr Probleme kann es geben. Aber das ein Auto von alleine Gas gibt ist schon echt ungewöhnlich. Das man so nicht mehr auf der Straße fahren sollte ist wohl jedem klar. Darum dürfen wir uns jetzt darum kümmern diesen 1962er Opel Kapitän zu einer Werkstatt ein paar Dörfer weiter zu bringen. Nur wie wir das machen sollen haben wir uns noch nicht überlegt. Im Grunde gibt es drei Optionen: wir reparieren das Auto oder wir schleppen es ab oder es kommt auf den Trailer. 


Die provisorische Reparatur bringt das größte Risiko, weil der Opel vielleicht noch andere bisher unbekannte Probleme hat, aber wenn wir erfolgreich sind auch das beste Kosten-Nutzen Verhältnis da wir deutlich schneller sind als mit einem Abschleppseil und kein Geld für einen Miettrailer ausgeben müssen. Die Option mit dem Abschleppseil klingt im Prinzip gar nicht schlecht da dieser Wagen keine Servolenkung und keinen Bremskraftverstärker hat, das heißt er lässt sich genau so gut (oder schlecht) manövrieren egal ob der Motor mitläuft oder nicht. Dafür fahren wir auf potenziell salzigen Straßen mit einem über 60 Jahre alten Schätzchen. 



Der Autoanhänger hat für uns den großen Vorteil das wir abgesehen von vier Rädern am Auto die sich noch drehen sollten und etwas Luft halten müssen, quasi keinerlei Anforderungen haben. Eine Abschleppöse vorne am Auto und die Seilwinde am Trailer sind definitiv einfacher und sicherer als irgendwie den Motor zum Laufen zu bringen und aus eigenem Antrieb die Rampen hoch zu fahren. Ein paar Spanngurte korrekt angelegt halten Auto und Anhänger zuverlässig zusammen und dann muss nur noch das Zugfahrzeug seinen Job korrekt machen und das Gespann heile ans Ziel ziehen.  Da der Insignia beim letzten Mal nach der Fahrt mit dem Vento auf dem Trailer ein paar unschöne Motorengeräusche gemacht hat, lassen wir dieses Mal lieber den Omega vorspannen. 



Damit bleibt es zumindest in der Opel-Familie und wir müssen nicht auf den Trivialpassat oder das James Cook Wohnmobil zurückgreifen. Gewichtsmäßig sind wir in jedem Fall auf der sicheren Seite. Um auch sonst alle unangenehmen Überraschungen auszuschließen, wollen wir den Kapitän vorab einmal besichtigen und die wichtigsten Sachen einmal prüfen. Wäre doch sehr ärgerlich wenn wirklich eine Bremse festhängt oder ein Reifen platt ist und wir unnötig Zeit verlieren, schließlich müssen manche Leute heute auch nochmal zurück zur Arbeit wenn hier alles erledigt ist. 



So treffen wir uns eine Woche vor dem geplanten Abholtermin mit dem Besitzer dieses Alt-Opel am Bahnhof und fahren gemeinsam weiter zum Interims-Stellplatz. Eigentlich muss dieses Schätzchen nicht draußen unter freiem Himmel leben, aber im Moment ist das Baustellenbedingt nicht anders möglich. Das es auch noch geschneit hat macht die Sache für uns nicht einfacher, denn der Schnee muss erstmal entfernt werden bevor die Plane abgezogen werden kann. Rein äußerlich scheint der Kapitän schonmal keine Schäden davon getragen zu haben. Und sobald der richtige Schlüssel gefunden ist, sehen wir auch im Innenraum keinerlei Schimmel oder Wasserschäden. Wo wir hier schonmal sitzen können wir direkt mal testen ob die Handbremse sauber löst und die Fußbremse einen festen Druckpunkt hat. 



Alles scheint zu funktionieren wie es soll und selbst die Reifen haben noch ausreichend Luft. Wir hatten sicherheitshalber trotzdem eine Luftpumpe eingepackt - haben ist besser als brauchen. Wo wir schonmal hier sind wollen wir uns auch das Problem anschauen wegen dem der Opel überhaupt zur Werkstatt gebracht werden muss; das klemmende Gasgestänge. Augenscheinlich ist nicht zu erkennen warum hier alles sofort einschnappt wenn das Gaspedal einmal zu weit durchgedrückt wurde. Zwei Rückholfedern sind auch korrekt montiert. Hier können wir im Moment leider nichts ändern, aber trotzdem wollen wir mal schauen ob der Sechstzylinder trotzdem anspringen will. 



Mit der Starthilfebox aus dem Kofferraum geling es nach ein paar Fehlversuchen tatsächlich das der Motor anspringt, aber sobald das Gas einmal angetippt wurde schießt die Drehzahl unkontrolliert nach oben, also schnell den Motor wieder abstellen. Beim nächsten Mal haben wir einen Autotrailer am Haken und hoffentlich wärme Temperaturen wenn es ans Aufladen geht. Zwei Wochen später ist es endlich wirklich so weit, nur das jetzt leider alles vollgeschneit ist und wir nicht wissen ob der Plan noch so funktionieren wird. Egal erstmal den Anhänger vom Schnee befreien und zum Parkplatz des Kapitän ziehen, ohne Anhang geht es in die benachbarte Großstadt um den Besitzer des Kapitän und seinen Ersatzteilevorrat einzusammeln. Dann zurück in die andere Richtung um das Auto aufzuladen und zur Werkstatt zu bringen. Wir wollen lieber nicht mit dem Gespann in die Altstadt.



Immerhin steht der Kapitän in einer ruhigen Nebenstraße wo wir uns etwas Zeit lassen können beim aufladen und verzurren. Nicht so wie damals der Opel Corsa, Nachts in Stuttgart.  Heute dauert es allein 10 Minuten den Schnee vom Auto und aus der Einfahrt zu schaufeln. Auf dem glatten Schnee stolpern und rutschen wir schon ohne den antriebslosen Opel zu schieben. Aber irgendwann steht der Kapitän passend hinter dem Anhänger. Schon der Vento war damals ein bisschen länger als die Ladefläche so das wir die vordere Klappe offen stehen lassen mussten. Dieses mal sind wir schlauer und nehmen direkt die vordere und hintere Bordwandklappe ab. Mit zwei Leuten lässt sich der Opel unter entsprechender Anstrengung von seinem Parkplatz auf der Wiese raus auf die Straße und bis zum Anhänger schieben. Nun muss die manuelle Seilwinde zeigen was in ihr steckt. Trotz niedriger Temperaturen kommen wir gut ins Schwitzen.



Damals mit dem alten Trailer und seiner elektrischen Seilwinde war das bedeutend bequemer. Andererseits musste auch im Vorhinein immer erst die Batterie kontrolliert und aufgeladen werden. Und so unsäglich schwer ist der Kapitän trotz des Sechszylinder Motors ja auch gar nicht (ca.1300kg). Früher war eine große Karosserie mit viel Glas und Chrom kaufentscheidend. Nicht die dicke der Türen oder wie gut die Insassen bei einem Unfall geschützt sind. Im Moment kann niemand einen Unfall mit diesem Wagen haben, es sei denn er macht sich beim aufladen selbstständig. Darum bleibt auch immer eine Person hinterm Steuer um notfalls zu bremsen und zu lenken. Wäre doch sehr ärgerlich wenn die Karosse ein paar Beulen bekommt. 



Aus dem Grund und weil der Anhänger gut schwer ist, fahren wir auch ganz gemütlich und über Landstraßen gut 30km bis zur Werkstatt. Dort erwartet man uns bereit. Der große Vorteil ist jetzt das mehr Leute zum Schieben da sind und wir uns nicht anstrengen müssen. Wenn alles gut läuft und die Teile auch passen (und damit der Fehler behoben ist), sollte der Kapitän bald schon wieder auf der Straße sein. Wir freuen uns schon jetzt auf die erste richtige Proberunde. Und so ganz nebenbei haben wir eventuell noch ein kleines Schnäppchen für unsere Autoteilesammlung gemacht. 

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