Freitag, 8. Mai 2026

Offroadwochenende Nachbereitung Teil 3: Radlager und Bremsen wechseln


Das Ende ist in greifbare Nähe gerückt. Der Jimny könnte bald schon wieder auf eigenen Rädern stehen. Alles was wir dafür noch tun müssen ist das alte Radlager von der Steckachse runter zu kriegen, neue Lager aufzupressen und dann alles am Auto wieder zusammenzubauen inklusive neuer Bremstrommeln und Bremsbacken. Dann machen wir uns mal ans Werk damit der Suzuki wieder fleißig Kilometer fressen kann. 



Auf der Beifahrerseite hatten wir ein bisschen Pech und mussten die kaputte Steckachse gegen ein Neuteil ersetzen. Das selbe Missgeschick darf uns nicht nochmal passieren. Dank zweiter M10 Gewindestangen sollte unser Abziehwerkzeug jetzt passend sein um das alte Lager und den Schrumpfring ohne viel Aufwand von der Achse zu kriegen. Erstes Problem dabei; die Steckachsen sind links und rechts unterschiedlich lang, da das Differential nicht mittig an der Achse sitzt. Das heißt nochmal zurück zum Baumarkt und ein Paar neue Gewindestangen kaufen die lang genug sind. Damit versuchen wir den Schrumpfring von der Achse zu kriegen. Leider gelingt das nicht, auch nicht wenn man zusätzlich mit dem Gasbrenner etwas Wärme und mit dem Hammer etwas Gewalt einbringt. 



Damit wir heute noch zu unserem Termin bei der Neustädter Presse rechtzeitig fertig sind muss wohl oder übel wieder die Flex zum Einsatz kommen. Dieses Mal sind wir bedeutend vorsichtiger und geduldiger. So klappt es tatsächlich ohne Zwischenfälle den Schrumpfring zu lösen. Für das eigentliche Radlager konnte dann doch der Abzieher benutzt werden - nachdem der äußere Lagerring abgeschnitten wurde um genügend Platz zu haben. So sparen wir uns immerhin 30% Flexarbeit und das damit verbundene Risiko. Jetzt müssen wir nur noch alles einmal richtig gründlich sauber machen, die neuen Teile zusammenlegen und alles zum Rappelmann-Fahrer in die Garage bringen. 



Wobei eine Sache gibt es dann doch noch zu tun; das nagelneue Kugellager vorsichtig öffnen, das vorhandene Lagerfett rauswaschen und mit neuem blauem wasserbeständigen Lagerfett vollzupacken. In Anbetracht der allgemein kurzen Lebenserwartung dieser Teile wollen wir alles in unserer Macht stehende tun um diese Zeitspanne zu verlängern. Sobald die Presse passend eingestellt und alle Komponenten seitenweise und in der richtigen Reihenfolge korrekt zusammengestellt sind, kann es auch schon losgehen. Statt 40 Hammerschläge pro Achse reichen jetzt ein paar Hübe am Hydraulikzylinder und schon sitzt alles passend. Wichtig ist nur die Gegenlager und Druckstücke so zu positionieren das nicht auf den äußeren Lagerring gepresst wird. 



Mit den fertigen Achsen im Kofferraum geht es jetzt wieder zurück nach Hause. Einmal noch die alten Simmerringe und Führungskörbe rausfummeln, auf der Beifahrerseite war das nur noch ein geschmolzener klumpen Plastik, und dann gründlich durchwischen. Wir wollen keinen alten Dreck in der Achse haben der unsere neuen Lager, Dichtungen oder das Differential beschädigen könnte. Die neuen Teile werden mit einem stumpfen Durchtreiber vorsichtig an ihren Platz gekloppt, dann folgt die Steckachse. Mit vier Muttern das Ankerblech am Achsgehäuse festschrauben und dann kann auch schon die ganze Bremsengeschichte eingebaut werden. Das klingt alles wieder viel einfacher als es wirklich war.



Wobei unsere gesammelte Erfahrung der letzten 7 Jahre bezüglich Trommelbremse am Jimny uns zumindest ein bisschen in die Hände gespielt hat. Alles ist irgendwie fummelig, mit mehr oder weniger dicken Federn die sich nicht immer kooperativ zeigen und am Ende muss es richtigherum eingesetzt und eingestellt werden. Darum machen wir jedes Mal einige Detailfotos von allen Teilen im eingebauten Zustand. Speziell wenn ein paar Tage oder Wochen Zeit zwischen Aus- und Einbau liegen macht das Gedächtnis manchmal Fehler. Da die Bremsbeläge sowieso wieder restlos runter gefahren sind, kommen sie jetzt sowieso neu. Ausserdem sind in den Bremstrommeln schon tiefe Riefen die sich nicht wegschleifen lassen. 



Also dürfen wir die Trommeln ebenfalls auswechseln. Das ist gemessen am restlichen Arbeitsaufwand wirklich gar kein Thema. Lediglich die Lackierung mit Grundierung und Lack aus der Sprühdose dauert nochmal ihre Zeit. Während die Farbe trocknet prokeln wir die Hebellage von der Handbremse und dem Nachstellmechanismus auseinander, wechseln die Federn aus, fetten die beweglichen Teile ein und verbinden alles mit den neuen Bremsbacken. Solange der Radbremszylinder noch nicht wieder eingesetzt ist kann man bis auf ein paar kleine Teile alles komplett auf der Werkbank zusammenbauen und muss nur noch das Handbremsseil und die Haltefedern am Fahrzeug montieren. Speziell das Handbremsseil macht uns wieder das Leben schwer. 



Unsere unorthodoxe Lösung die Montage einfacher zu machen besteht darin das Handbremsseil nicht durch die Führungshülse am Ankerblech zu ziehen sondern außenrum. So kann das Seil ein bisschen weiter nach außen gezogen und am Hebel zu den Bremsbacken befestigt werden. Bis jetzt funktioniert es trotzdem so wie soll. Die mühselige Einstellung der Handbremse folgt als nächster Schritt. Mit einem passenden Schraubendreher durch das Guckloch auf der Rückseite vom Ankerblech drehen wir die Schraube vom Nachstellmechanismus bis wir ein leichtes Schleifgeräusch von der Trommel haben. Gerade am Anfang wenn alles noch neu ist wollen wir es lieber nicht übertreiben und die Bremse nicht direkt zu stramm einstellen. Lieber ein paar Kilometer fahren und dann nochmal nachziehen. 



Wenn die Handbremse fertig ist, kümmern wir uns als nächstes um die Fußbremse. Dafür brauchen wir eine Flasche DOT3 Bremsflüssigkeit, einen Helfer im Auto, einen 8mm Ringschlüssel und einen durchsichtigen Plastikschlauch. Der Helfer pumpt im Auto das Bremspedal und wir öffnen und schließen den Entlüftungsnippel so das die alte Bremsflüssigkeit und Luftblasen durch den Schlauch nach oben wegsteigen können. Dank unserem Trick mit dem Bremspedal ist kaum Flüssigkeit ausgelaufen obwohl die beiden Radbremszylinder längere Zeit abgebaut waren. Entsprechend schnell ist die Bremse wieder entlüftet. Zum Abschluss die Distanzscheiben und Sommerräder anschrauben und der Jimny kann wieder auf den Boden. Nachdem die erste Probefahrt erfolgreich geschafft ist, öffnen wir die beiden Schrauben am Differentialgehäuse und lassen das alte Öl ablaufen (in eine Wanne!) und füllen anschließend wieder Neues ein bis es aus der Einfüllschraube rauskommt. 

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