Freitag, 22. August 2025

Chevrolet R30 Lenkgetriebe tauschen


Langsam haben wir das Ende der Arbeit an unserer Chevrolet Dually Großbaustelle erreicht. Wobei groß ist eigentlich nur das Auto. Die Arbeit war nicht mal besonders aufwändig, es dauerte einfach nur alles immer ein bisschen länger bis man das Funktionsprinzip verstanden hat, die richtigen Ersatzteile und das passende Werkzeug zusammengesucht hat. Und jedes Mal wenn wir eine Sache repariert haben, fand sich direkt mindestens eine neue Baustelle. 



So fanden wir nach bzw. während des Bremsbelag Wechsel heraus dass ein Bremsschlauch zugequollen  und ein Halter am Lenkgetriebe abgebrochen ist. Beim Austausch des Bremsschlauch wiederum fanden wir einen losen Keramikkörper im Katalysator der durch lautes klappern auf sich Aufmerksam macht. Wir wollen nicht zu viel verraten, aber dieses Spiel wird sich auch heute wiederholen. Davon wussten wir allerdings noch nichts als wir am Freitag morgen den Pickup mal wieder in die Garage stellten und die Vorderachse aufbockten. Im Gegensatz zu den vorherigen Schrauber Aktionen sind wir heute nicht ganz so zuversichtlich alles an einem Tag fertig zu kriegen. Und bevor wir den Chevy halb zerlegt auf dem Hof herumstehen haben, wollen wir lieber drinnen parken und einfach das Tor hinter uns schließen. 


Ein weiterer positiver Nebeneffekt ist die geringere Chance auf Ölflecken in der Hofeinfahrt wenn wir erst gar nicht draußen arbeiten. In der Halle ist der Boden ölbeständig versiegelt und alles lässt sich mit Bindemittel einfangen. Wir wollen doch keine Umweltverschmutzer sein. Zumindest nicht mehr als unvermeidbar, wobei der Pickup im Vergleich zu manch anderem Oldtimer und Amischlitten wirklich verdammt dicht ist und während der letzten drei Monate fast keine Spuren auf dem Hof hinterlassen hat. Das sollte in Zukunft noch besser werden wenn wir das alte Lenkgetriebe getauscht haben. Also ran ans Werk. 



Mit dem Wagenheber unter der Vorderachse und zwei Unterstellböcken unter den Querlenkern, lösen wir die acht Radmuttern am linken Vorderrad (SW26). Sobald das Rad aus dem Weg ist, haben wir schon ziemlich freie Sicht aufs Lenkgetriebe. Im Gegensatz zu den Vans aus dieser Bauzeit ist das Getriebe und die Hardyscheibe nicht hinterm Innenkotflügel verborgen. Bevor wir hier irgendwas abschrauben, lösen wir erstmal die Mutter vom Lenkhebel zur Spurstange. Anschließend kämpfen wir mehrere Minuten mit dem Konus von selbiger der sich nur nach Einsatz einer Trenngabel von der Spurstange verabschieden will. Jetzt wird das Lenkgetriebe nur noch von vier Schrauben am Rahmen, sowie der Lenksäule und zwei Schläuchen für die Hydraulik am Fahrzeug festgehalten.



Mit den Schläuchen beschäftigen wir uns als nächstes. Mit einer möglichst großen Wanne untendrunter versuchen wir die Sauerei in der Garage auf ein Minimum zu reduzieren. Erst die Rücklaufleitung lösen und mit einem alten Autoventil als Stöpsel versuchen die auslaufende Flüssigkeit zurückzuhalten. Dabei fällt uns auf dass nicht wie zunächst vermutet (und extra eingekauft) rotes Automatikgetriebeöl im System ist sondern weißgelbe Hydraulikflüssigkeit. Die haben wir natürlich nicht im Lager. Also beginnt erstmal ein Telefonmarathon um herauszufinden was es genau für ein Öl sein muss und dann noch jemanden zu finden der uns ein paar Liter verkaufen kann. Glücklicherweise ist LiquiMoly 3100 kompatibel und beim Teiledealer im Bestand. Also müssen wir heute noch einmal mindestens los fahren.



Bis dahin wollen wir alle anderen Arbeiten schon erledigt haben, also direkt weitermachen mit der Demontage von der Lenksäule. Zwei Schrauben halten die Hardyscheibe an der Lenksäule und eine Schraube am Lenkgetriebe fest. Alle drei entfernen und dann mit sanfter Gewalt die Lenksäule hochschieben und vom Getriebe entfernen. Falls der so entstandene Freiraum noch nicht ausreichend ist, kann auch erst das Lenkgetriebe vom Rahmen abgeschraubt und weggezogen werden. Dann hat man definitiv genug Platz zum arbeiten. Nun reinigen wir mal eben den Rahmen rund ums Lenkgetriebe und kontrollieren die vier Befestigungslöcher auf Risse, auch das ist bei dieser Baureihe ein reales Problem. Aber bei uns sieht alles gut aus. 



Das heißt wir können unser schönes neues Lenkgetriebe endlich auspacken und ans Auto bringen. Vorher montieren wir schonmal die Hardyscheibe, das geht jetzt deutlich bequemer. Mit der speziell abgeflachten Aufnahme passen die Teile jeweils nur in einer einzigen Position ineinander. Damit das Lenkrad später auch richtig steht und wir in beide Richtungen den selben Lenkeinschlag fahren können, müssen wir jetzt bei der Montage gründlich aufpassen und alle Teile richtig positionieren. Dazu schrauben wir das neue Getriebe erstmal provisorisch an den Rahmen und die Lenksäule - egal wie das Lenkrad gerade steht. Mit einem Stück Klebeband am Lenkrad und einem Referenzpunkt am Armaturenbrett zählen wir wie viele Umdrehungen das Getriebe vom linken bis zum rechten Anschlag braucht. 



Dann müssen wir nur genau auf halbem Wege stehen bleiben und schon steht das Getriebe passend. Sollte das Lenkrad nicht richtig stehen, kann es eigentlich nur um 180° verdreht sein da auch die Verbindung von Lenkrad, Lenksäule und Hardyscheibe in wenigen, genau definierten Stellungen zusammenpasst. Sofern alles passt kann das Getriebe endgültig am Rahmen und der Lenksäule verschraubt werden. Wir empfehlen bei allen Lenkungsteilen entweder neue Sicherungsmuttern oder Schraubensicherungskleber zu verwenden damit sich hier nichts losrappeln kann. Nun folgt noch der Lenkstockhebel, dieser kann durch seine Verzahnung nur in 90° Schritten aufgesetzt werden. Der Hebel muss parallel zum Rahmen und nach hinten zeigen wenn alles richtig ist. 



Sofern die Spur richtig eingestellt ist, sollte sich die Spurstange jetzt mit dem Hebel verschrauben lassen und die Vorderräder exakt gerade stehen. Die Muttern ziehen wir beide fest und bringen an der Spurstange noch einen Sicherungssplint an. Damit sind wir nur noch wenige Schritte vom Tagesziel entfern. Also fix die beiden Schläuche wieder anbringen und das benötigte Hydrauliköl besorgen. Wir nehmen zwei Liter davon mit und schütten sie in den Ausgleichsbehälter oben am Motor. Jetzt starten wir den Pickup und lenken langsam von links nach rechts. Und das so lange bis die Pumpe keine komischen Geräusche mehr macht, der Flüssigkeitspegel im Behälter sich nicht mehr verändert und eine gleichmäße leichtgängige Lenkbewegung möglich ist. 



Wenn man nach links bis zum Anschlag lenkt, fällt uns auf das irgendwas nicht in Ordnung zu sein scheint. Der Achsschenkel hüpft und wackelt irgendwie unnatürlich stark. Beim Blick auf die Unterseite vom Querlenker finden wir auch die Ursache; das Traggelenk ist trotz Presspassung irgendwie aus seinem Sitz im Querlenker rausgerutscht und hat entsprechend viel ungewollte Bewegungsfreiheit. Daran können wir jetzt erstmal nichts ändern. Mit den Rädern am Auto und ohne Wagenheber rutscht das Gelenk wieder fast komplett zurück in seinen Sitz. Für eine Probefahrt mit der neuen Lenkung soll es wohl noch reichen aber dann ist erstmal wieder Stillstand angesagt bis wir auch dafür neue Ersatzteile besorgt haben - hoffentlich dauert es nicht wieder drei Monate. 



Immerhin bestätigt die Proberunde das unsere geplante Arbeit sehr erfolgreich war; das Lenkrad steht endlich wieder gerade wenn man geradeaus fährt und sobald auch nur ein bisschen am Volant gedreht wird, wechselt der Truck seinen Kurs. Genau so soll es sein und die Frage kommt auf warum wir das nicht schon viel eher gemacht haben. Am Anfang hätte vermutlich einfach eine neue Hardyscheibe für wenige Dollar ausgereicht um einen riesigen Unterschied zu machen. 

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