Freitag, 29. August 2025

Zwei Ventile und zwei Zylinder Weniger: Passat statt Siebener



Die Entscheidung ist wirklich niemandem leicht gefallen. Aber irgendwann müssen selbst wir der Wahrheit ins Auge schauen und ein Auto als unrettbar abschreiben. So wie den blauen (ehemals) Autogas-Siebener. Selbst wenn der Motor keinen Tropfen Öl verlieren würde und das Kühlsystem sowie die Gasanlage einwandfrei funktionieren, ist die Karosserie einfach an allen Ecken und Enden stark vom Rost angefressen. Und das leider nicht nur wie beim Omega oder den Sierras irgendwo im nicht sichtbaren Bereich sondern auch von oben. 



Das heißt selbst wenn wir die gesamten Schweiß- und Blecharbeiten alle in Eigenregie, trotz unserer knappen Freizeit irgendwie wieder vernünftig in Ordnung gebracht kriegen, muss der BMW im Anschluss definitiv zu einer Lackiererei. Und das ist kein billiges Vergnügen. Erst recht wenn quasi alle Anbauteile und die komplette Karosserie besprüht werden müssen. Wie wäre es dann einfach einen anderen, besser erhaltenen E38 zu kaufen und dann aus zwei halbguten Autos ein wirklich gutes Zusammen zu stellen. Am besten ein Wagen ohne Rost (natürlich) aber dafür zum Beispiel mit Motor und oder Getriebeschaden. Der Antrieb in unserem blauen Siebener ist zwar etwas undicht aber er funktioniert einwandfrei. 



Quasi genau das Gegenteil zu unserem ersten grauen Autogas-Siebener der Karosserietechnisch top in Ordnung war aber aufgrund eines teuren Motorschaden verschrottet wurde. Hätten wir damals doch bloß die komplette Rohkarosserie aufbewahrt. Aber soweit konnte leider niemand in die Zukunft schauen, vom nötigen Platzbedarf ganz zu schweigen. Ein paar recht verlockende Angebote im mittelnahen Umfeld fanden sich tatsächlich. Nur waren wir entweder zu langsam oder bei der Besichtigung vor Ort stellten sich neue Probleme heraus die gegen den Kauf sprachen. Vielleicht sollten wir das als himmlisches Zeichen verstehen und unseren Horizont erweitern. Kein E38 und kein BMW. Sondern ein Audi A6 4F mit dem 3.2l FSI. 



Bei der Besichtigung auf dem Hof eines Autohändlers in Osnabrück machte der Wagen zunächst einen guten Eindruck. Doch lautes Rasseln beim Motorstart und ein paar nicht erklärbare Geräusche auch bei betriebswarmem Motor schreckten uns dann doch ab. Als nächstes stand eine Rückkehr zu den Wurzeln im Raum: japanische Limousine mit V6 Motor. Genauer gesagt ein Honda Legend 3.5 aus Rentnerhand mit relativ geringer Laufleistung und ganz in der Nähe. Dafür aber mit ABS-Problemen die hier vor Ort vielleicht gar keine Werkstatt beheben kann und ersten zarten Rostblasen am hinteren Radlauf (da hat damals schon unser grüner Reiskocher gerostet). Also bei dem geforderten Preis auch keine Option für uns. 



Immerhin haben wir keinen besonderen Zeitdruck. Der BMW hat noch TÜV bis Ende nächsten Jahres und zur Not steht der Omega immer parat, auch wenn er selbst mit seinen Motorelektronik Macken (ja die sind doch noch nicht restlos behoben) nicht wirklich fit und Langstreckentauglich ist. Und dann half uns der Zufall weiter. Beim Gespräch in der Prüfhalle mit einem der anderen Kunden während wir mit dem Motorrad dort sind, erfahren wir das er einen gut gepflegten VW Passat B5 zu verkaufen hat. Zwar schon 25 Jahre alt und mit einigen Kilometern auf der Uhr, aber Rostfrei und mindestens die letzten zehn Jahre im Scheckheftgepflegt. Der Preis und die Ausstattung klingen erstmal nicht schlecht, also hin zur Besichtigung vor Ort. 



Tatsächlich ist der Passat von Innen und Außen noch wirklich gut beieinander. Das ist bei so einem Familien- und Nutzfahrzeug nicht immer der Fall. Der Erstbesitzer hatte allerdings einen ziemlich eigenen Geschmack was die Sonderausstattung anbelangt (oder der Verkaufsberater einen echt schlechten Tag). So wurde der größtmögliche Benzinmotor (mit serienmäßigem Allradantrieb) bestellt, aber kein Automatikgetriebe. Persönlich finde ich sowas ja mega gut und würde es ganz genau so machen, aber ich bin eigentlich nicht normal im Kopf und somit kein Vergleich. Jetzt könnte man meinen der Kombi sollte als ultimatives Zugfahrzeug aufgebaut werden und da hat ein anfälliges Automatikgetriebe nichts drin verloren, aber die montierte (starre!) AHK wurde erst beim Vorbesitzer nachträglich angebaut. 



Dann wurde reichlich Geld für das originale Satellitennavigationssystem ausgegeben, aber nicht für ein banales Multifunktionslenkrad mit Knöpfen fürs Radio. Oder Xenonscheinwerfer und Klimaautomatik aber kein Schiebedach. Kein typisches Kassengestell aber auch keine "einmal mit alles" Kiste. Sehr merkwürdig. Aber uns solls nicht stören. Im Zweifelsfall ein praktischer Kombi mit einem dicken Motor und vernünftiger Ausstattung. Gepflegt und im Moment komplett ohne Macken und Fehler. Zumindest wenn man von der stillgelegten hinteren Einparkhilfe absieht. Die wurde irgendwann mal nachgerüstet und musste dann aus Platzgründen der ebenfalls nachgerüsteten Anhängekupplung geopfert werden. Letztere dann auch noch als Originalteil von VW (für Allradmodelle gabs im Zubehör damals wenig Auswahl), aber nur mit 7 Poligem Elektrosatz. 



Das Thema Anhängersteckdose dürfte zusammen mit den demnächst fälligen neuen Reifen unsere erste und hoffentlich einzige Baustelle am neuen Passat sein. Der neue Name ist noch nicht endgültig festgelegt, aber der Vorschlag lautet Trivialpassat, weil diese Baureihe auch wenn sie bald 25 Jahre alt ist, im Straßenverkehr so häufig vertreten und damit unauffällig ist, das niemand diesen blauen Pampersbomber besonders beachten wird. Auch wenn er einen 2.8l V6 Motor mit 30(!) Ventilen unter der Haube hat die zusammen für 193 Pferdestärken sorgen. Wir wünschen dem neuen Besitzer allzeit gute Fahrt und starke Nerven beim Besuch der Tankstelle. Ob der V8 im BMW deutlich durstiger war, bleibt abzuwarten. 


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