Manchmal ist es schon ein echter Vorteil Leute zu kennen die Leute kennen. Und manchmal ist man dieser Jemand der was organisieren kann. Zum Beispiel eine standesgemäße Hochzeitskutsche. Ehrlicherweise wäre Herschel ja unsere erste Wahl gewesen und mit Sicherheit praktischer als ein Cabrio, aber nicht jedes junge Hochzeitspaar will gerne mit einem alten Leichenwagen zum Standesamt gefahren werden. Vielleicht sind wir einfach anderes drauf.
So schlimm ist das aber auch nicht. Schließlich kennen wir den Besitzer eines silbernen Excalibur der bereit ist uns sein Schmuckstück für den Nachmittag auszuleihen. Der einzige Haken bei der Sache ist die Zeit seit dem der SSIII Phaeton das letzte Mal auf der Straße war; vor fast genau zwei Jahren auf der Fahrt von Bielefeld zum Excalibur Club Treffen in Ostfriesland. Damals waren wir selbst in einem schwarzen Excalibur mit dabei und auf dem Heimweg ebenfalls auf einer Hochzeit eingeladen. Manche Dinge können echt kein Zufall sein.
Da der schwarze (und unserer Meinung nach besser erhaltene) Excalibur zwischenzeitlich verkauft wurde - wer braucht schon zwei Mal das selbe Modell in seiner Oldtimersammlung - bleibt zwangsläufig genau dieser silberne Wagen übrig. Für mindestens vier andere Hochzeiten hat er in der Vergangenheit auch gut funktioniert, also soll es für uns wohl auch genügen. Solange er für die Fotos von außen gut aussieht und die paar Kilometer Fahrtstrecke pannenfrei überlebt, sollte am großen Tag nichts schief gehen. Das ist jetzt unsere Aufgabe.
Am Mittwoch Abend, weit nach Sonnenuntergang, sind wir endlich fertig mit dem Tagesgeschäft und können losziehen um den Excalibur abzuholen. Der Besitzer erwartet uns schon, mit einer Gießkanne in der einen und einem Benzinkanister in der anderen Hand. Damit sind die Sprit und Kühlwasser Vorräte schon mal ausreichend um bis nach Hause zu kommen. Die grundsätzliche Bedienung ist uns noch vertraut so das wir auch ohne funktionierende Instrumentenbeleuchtung wissen wo alles sitzt und wie schnell wir ungefähr fahren. Abgesehen davon ist es doch ziemlich kalt im T-Shirt und ohne Mütze wenn man so über die Landstraßen brettert. Darum machen wir lieber etwas langsamer. Folglich sind wir erst so spät an unserer Lieblings Dönerbude dass diese bereits geschlossen hat.
Dann müssen wir eben doch nachts zur goldenen Möwe fahren, aber erst halten wir nochmal an der Tankstelle und füllen ein paar Liter Benzin nach, die Tankuhr ist nur bedingt zuverlässig und wir wollen morgen auf gar keinen Fall liegenbleiben. Immerhin haben wir das schönste Auto im Drive-In und die breiten Trittbretter eignen sich perfekt als Tablettersatz. Morgen Abend nach Feierabend holen wir den Blumenschmuck ab, waschen den Wagen und polieren die Chromteile auf. Schließlich wollen wir auf den Hochzeitsfotos eine bestmögliche Figur machen. Da der Wagen kein richtiges Verdeck oder Seitenfenster hat, müssen wir sowieso eine Handwäsche mit Schwamm und Eimer machen, sonst steht der Innenraum komplett unter Wasser.
So machen wir uns am Donnerstag an die Arbeit. Immerhin ist der Excalibur gar nicht mal so groß und entsprechend relativ schnell abgewaschen und getrocknet. Die Chrompolitur auf einem alten Stofflappen funktioniert wie beim letzten Excalibur sehr gut und lässt die Front wieder im alten Glanz erstrahlen. Nebenbei reparieren wir noch den kaputten Verschluss der Gepäcktruhe, wenn wir uns den Wagen schon ausleihen dürfen, wollen wir uns dafür auch erkenntlich zeigen. Leider haben wir keine Lederpflegemittel auf Lager um der roten Innenausstattung etwas mehr Frische zu verleihen. Andererseits dürfte das Hochzeitskleid der Braut die Rückbank quasi komplett ausfüllen so das hier nicht mehr viel zu sehen ist. So beschränken wir uns darauf alle Ritzen einmal durchzusaugen und die Oberflächen feucht abzuwischen damit die Kleidung sauber bleibt. Hinten an die Holztruhe kommt das obligatorische "Just Married" Schild und dann sind wir quasi startklar. Der Blumenschmuck ist nicht wirklich wind & wetterfest, darum wird er nur für die Fotos angebracht.
Am Freitag Mittag, gleich nach Feierabend machen wir uns selbst auch mal langsam hübsch und fahren rüber zum Standesamt. Unterwegs gibt es diverse Blicke und Daumen hoch, ob das nur am Auto oder an der Lederkappe mit Hühnerbeinen liegt können wir nicht genau sagen. Vielleicht setzen wir die Mütze später doch wieder ab. Auf den eigentlichen Fotos werden wir selbst planmäßig sowieso nicht drauf sein. Das gibt uns Zeit zu schauen womit die anderen Hochzeitspaare heute so an und abreisen werden. Das Spektrum reicht vom 66er Ford Mustang über Mercedes SL R107 und VW Käfer bis zum BMW M4 und VW Tiguan. Letzterer ist wohl objektiv gesehen das beste Auto um alle Insassen samt Gepäck schnell sicher und bequem zu transportieren. Aber ein Oldtimer ist definitiv cooler. Unser nächster Auftritt wird dann die Fahrt vom Standesamt zurück zum Festzelt wo die Feier starten wird. Dann dürfen wir sowieso nicht mehr schnell Fahren damit die Frisur des jungen Ehepaar nicht komplett zerstört wird. Das sollten wir hin kriegen. Sind ja auch nur knappe 15km Strecke.
Passend zum Ende der eigentlichen Trauung kommt auch endlich mal die Sonne raus so das es zumindest etwas weniger eisig auf der Rückbank wird. Vielleicht sollte man für die Zukunft mal ein Windschott oder ähnliches Basteln, das würde sicherlich schon viel helfen. In der ersten Reihe kann man sich zumindest noch etwas unter die niedrige Windschutzscheibe ducken um weniger Fahrtwind abzukriegen. Ob und wann wir uns diesen Excalibur nochmal für eine Hochzeit ausleihen dürfen, weiß jetzt noch niemand. Bis dahin müssen wir auf jeden Fall ein paar Elektrikmacken und das knarzen von der Hinterachse in den Griff kriegen.
Leider wird der Besitzer dieses Excalibur dieses Jahr nicht am Clubtreffen teilnehmen können. Aber vielleicht im nächsten Jahr wieder. Und vielleicht haben wir dann auch mal wieder die Chance mitzukommen. Es macht schon echt verdammt viel Spaß in so einem Auto unterwegs zu sein, auch wenn es absolut kein Alltagswagen werden dürfte, allein schon wegen dem mangelhaften Wetterschutz.
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