Die HU wurde nicht bestanden und die Zeit läuft. In maximal vier Wochen müssen alle Mängel am Normalpassat behoben sein um noch die Plakette zu ergattern. Anderenfalls sind wir wieder 160€ ärmer und einen neuen Mängelbericht reicher. Jetzt muss zuhause in die Hände gespuckt und der VW durchrepariert werden, aber im Moment fehlt es an Zeit und Möglichkeit alle nötigen Dinge zu tun damit die Frist eingehalten werden kann. Die Frage ist: was macht man selbst und was überlässt man der Werkstatt?
Auf jeden Fall sollen die Sachen welche ohne Hebebühne oder Grube machbar sind in Eigenleistung gemacht werden. Auch für die Schweißarbeiten an der Karosserie steht das nötige Werkzeug und Material in der eigenen Garage bereit, also wollen wir das ebenfalls selbst machen. Zumal hier einige Stunden Arbeitszeit drauf gehen werden die in einer Fachwerkstatt ordentlich ins Geld gehen würden. Die Bremsleitungen und das Fahrwerk überlassen wir doch lieber den Profis damit es schnell über die Bühne geht.
Unsere erste eigene Reparatur, wenn man das so nennen kann, ist die Glühlampen vom Standlicht und der Kennzeichenbeleuchtung auszuwechseln. Alles 5W Glassockellampen und einfach zugänglich. Zumindest wenn die Schrauben der Kennzeichenleuchten nicht wieder festgerostet und ausgenudelt sind. Obwohl alle Lampen neu sind, leuchtet die eine Kennzeichenleuchte nicht annähernd hell genug. Letztendlich reichte es die Kontakte im Stecker und für die Birne mit einem Schraubendreher sauber zu machen und alles mit WD40 auszuwaschen. Schon sind zwei Punkte von unserer Mängelliste abgehakt.
Der nächste Punkt geht fast noch schneller. Einmal die Schraube unterm Fahrersitz welcher den Endanschlag bildet rausdrehen und der ganze Sitz kann nach vorne und oben herausgezogen werden. So kommt man leichter an die Gleiter in den Sitzschienen heran als wenn man es im eingebauten Zustand versucht. Sobald die kleinen Pastikteile wieder eingeschnappt sind kommt der Sitz zurück an seinen Platz und wackelt nicht mehr. Wenn wir in diesem Tempo weitermachen sollten die vier Wochen locker reichen.
Für die kaputten Türschlösser brauchten wir doch ein klein wenig länger. Nachdem die Halteschraube vom Türgriff gelöst und selbiger ein Stück nach außen gezogen war, konnten wir sehen wo das Problem liegt; der Federstift ist herausgerutscht. So ist zu viel Spiel in der Mechanik und die Bewegung vom Griff wird nicht ausreichend Erst die Türinnenverkleidung abschrauben, die Dampfsperre im unteren Bereich vorsichtig abziehen und dann mit einem Magnet den winzig kleinen Federstift aus der Tür heraus angeln und wieder im Türgriff einsetzen. Ein kurzer Probelauf bestätigt dass die Tür wieder richtig funktioniert. Das selbe Spiel wiederholen wir bei der zweiten Tür auch. Hier haben wir etwas mehr Glück und der Stift steckt noch halb in seinem Loch, das spart uns viel Arbeit.
Nun kommen wir zu den Radlagern an der Hinterachse. Diese hatten dem Prüfer ja etwas zu viel Spiel. Das ist zum einen sehr merkwürdig da wir vor gut drei Jahren erst daran waren und zum anderen kein Problem weil das Einstellen ziemlich flott erledigt ist. Alles was wir tun müssen ist das jeweilige Hinterrad aufbocken, die Felge von der Radnabe abschrauben, die Nabenkappe abhebeln und den Sicherungssplint ziehen. Anschließend das Sicherungsblech abnehmen und die Mutter vorsichtig mit einem Schraubenschlüssel strammer drehen. Aber bitte wirklich nur so weit wie nötig. Wenn die Unterlegscheibe dieser Mutter sich nicht mehr ohne Kraftaufwand (mit einem Schraubenzieher) verschieben lässt, hat man es übertrieben. Bevor das Sicherungsblech und ein neuer Splint anbgebracht werden, Schrauben wir erstmal das Rad wieder an.
So haben wir ordentlich was in der Hand um daran zu wackeln und das Radlagerspiel erfühlen zu können. Wir sind mit dem Ergebnis zufrieden, der Prüfer hoffentlich dann auch. Unsere letzte persönliche Baustelle ist jetzt im Grunde nur noch den Schweller im Übergang zum hinteren rechten Radhaus wieder nachzubauen. Dort hat der Rost verborgen unter Steinschlagschutz und Dichtmasse in der Vergangenheit offensichtlich gute Arbeit geleistet und vom Blech quasi nichts mehr über gelassen. Wenn wir Reparaturbleche oder eine Hebebühne zur Verfügung hätten wäre die Mission nur halb so unbequem.
Da beides gerade nicht zur Hand ist muss eben auf dem Boden sitzen und liegend gearbeitet werden. Vielleicht nicht die schönste Meisterleistung aber wenn erstmal das alte gammelige Blech weg und neues dickeres Blech an seiner Stelle eingeschweißt ist, fragt niemand mehr wer das gemacht hat und warum es nicht noch schöner geworden ist. Speziell der Bereich von unten am Schweller ist im Moment maximal unbequem zu erreichen. Aber wir sind ja kreative Köpfe und haben einen alten Spiel im Fundus. Damit sehen wir alles und können weit genug weg bleiben damit uns die Schweißperlen nicht auf den Oberkörper spritzen. Man muss sich einfach nur zu helfen wissen.
Mit genügend Geduld und Schweißpunkten ist irgendwann alles wieder aus massivem Blech was vorher nur knuspriger Blätterteig war. Hier soll der Prüfer mal versuchen irgendwas zu durchstochern bei der Nachuntersuchung. Ein bisschen die Schleifscheibe drüber gejagt und dann wird alles mit Rostschutzgrundierung und anschließendem Unterbodenschutz überlackiert. Das dürfte jetzt erstmal für ein paar Jahre sorgenfreies Autofahren reichen. Während die Farbe noch trocknet wird das Auto wieder auf seine Räder gestellt. Ab jetzt soll sich die Werkstatt mit dem Passat herumschlagen. Zum Glück bekommen wir zeitnah einen Termin, das ist auch nicht immer ganz selbstverständlich. Zumindest bei den guten Werkstätten scheint es nie einen Mangel an Kundenaufträgen zu geben.
Damit sich die Arbeit auch richtig lohnt bekommt der Passat nicht nur ein Traggelenk neu sondern gleich beide Seiten. Das selbe gilt auch für die Spurstangenköpfe. So lange die Schrauben kooperativ sind macht es bei der Achsvermessung zwar keinen Unterschied ob neue oder alte Teile eingestellt werden sollen, aber in Anbetracht des relativ hohen Preis für diese Arbeit und dem im vergleich geringen Preis für neue Spurstangen, macht es einfach Sinn gleich alles neu zu machen und in mittlerer Zukunft nicht nochmal daran zu müssen. Bei der rostigen Bremsleitung reicht es zum Glück aus nur das betroffene Stück abzuschneiden und ein kurzes Teilstück einzusetzen. Also kein kompletter Austausch inklusive Nachbiegen und neue Halterungen bauen. Für den öligen Motor und Unterboden gibt es ein paar Dosen Kaltreiniger und dann soll es fürs erste gut gewesen sein.
So präpariert geht es gleich am nächsten Tag zur Prüfhalle um endlich die Plakette aufs Nummernschild zu bekommen. Knappe 10 Minuten und 16€ später bekommt der Passat seinen Sticker und uns fällt ein Stein vom Herzen. Dann können wir uns ab sofort wieder anderen Baustellen zu wenden. Zum Beispiel der Dachhimmel vom Vectra.










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