Freitag, 17. Juli 2026

Ford LTD Dachhimmel selber bauen - Teil 2.


Wir arbeiten so gerne an dem Dachhimmel von alten Autos das wir ihn einfach nochmal ausbauen wollten. Nur so zum Spaß. Oder weil der Kleber rund um die einlaminierten Buchstaben leider nicht wirklich gut funktioniert hat und der Ford Schriftzug jetzt kaum noch zu erkennen ist. Irgendwie müssen wir das mittelfristig besser lösen, beziehungsweise befestigen. 



Und dafür muss der Dachhimmel natürlich erstmal wieder runtergenommen werden. Das heißt die komplette linke Seite der Innenverkleidung von der hinteren Tür bis zur Heckklappe und die rechte D-Säulenverkleidung muss losgeschraubt und rausgenommen werden. Mittlerweile ist das unser drittes oder viertes Mal dass wir diese Arbeit durchführen müssen. Das ist einerseits gut weil wir jetzt fast auswendig wissen was wo festgeschraubt wird, andererseits hat der 47 Jahre alte Kunststoff irgendwann auch keine Lust mehr und könnte bei solch einer Operation durchaus kaputt gehen. 



Entsprechend vorsichtig gehen wir vor. Da warme Wetter spielt uns dabei natürlich etwas in die Karten. Nur noch die Metallleiste auf der Fahrerseite ausclipsen (ohne sie zu verbiegen oder Klammern abzubrechen wenn möglich) und dann ganz vorsichtig mit mindestens zwei Paar hängen den Okolyt raus tragen. Wollen wir doch mal schauen wo genau das Problem liegt. Schließlich ist nicht der ganze Stoffbezug runtergekommen sondern nur der Bereich rund um die Buchstaben. Entweder liegt es an den engen Konturen oder daran das wir hier einen anderen Extrastarken Klebstoff benutzt haben. Testen wir doch mal ob der Stoffbezug auf der Rückseite vom Dachhimmel. 



Mit bloßen Händen und ohne Kraftaufwand lässt sich der Bezug hier schonmal nicht abziehen. Und wenn dann zerreißt es die Schaumstoff-Fütterung und nicht die Klebestelle. Das ist grundsätzlich eine Gute Nachricht. Heißt aber auch wenn wir den Stoff rund um die Buchstaben neu ankleben wollen, wird uns beim Abziehen der Bezug definitiv kaputt gehen. Und hinterher haben wir noch jede Menge Arbeit die Schaumstoffreste abzukriegen. Das ist allerdings noch nicht unser größtes Problem; wir haben nicht genug neuen Stoff um den Himmel ein zweites Mal zu beziehen. Es hapert an wenigen Centimetern. 



Dann brauchen wir eine andere Lösung. Wie wäre es winzig kleine Löcher in den Stoff zu schneiden und neuen Sprühkleber mit einer Lanze rein zu blasen, in der Hoffnung dass damit alles wieder richtig gut hält. Das wäre einen Versuch wert, aber wenn es nicht klappt machen wir uns für die Zukunft nur noch mehr Arbeit. Die nächste Idee klingt nach deutlich mehr Arbeit, dürfte aber zweifelsfrei funktionieren. Nur ob uns das Endergebnis optisch gut gefällt kann vorher niemand versprechen. Wir müssen es einfach mal probieren. Im schlimmsten Fall bestellen wir halt noch eine Rolle Dachhimmelstoff. Der ist zum Glück noch lieferbar.



Was wir jetzt brauchen ist Nadel und Faden sowie einen Haufen 1mm Bohrer und einen Akkuschrauber. Ach ja und sehr viel Geduld. Wir wollen nämlich den Umriss der Buchstaben mit Bohrlöchern nachverfolgen und dann den losen Stoff am GFK annähen. Das gibt saubere feste Kanten und wenn wir eine passende Garnfarbe wählen auch noch einen schönen Kontrast. Wir kalkulieren ungefähr 80 Löcher pro Buchstabe. Hätten wir diese (gerüchteweise) geniale Idee schon von Anfang an gehabt, würde es nicht so lange dauern die Löcher ins GFK zu bohren. So hart ist das Zeug nicht. Natürlich ist der Stoff auch nicht hart. 



Aber genau das ist unser Problem. Wir müssen den Bohrer ganz langsam drehen lassen und ohne großen Druck arbeiten. Ansonsten schnappt sich der Bohrer eine Masche aus dem Stoffgewebe und wickelt es auf wie ein Lockenstab. So dauert jedes Loch mindestens 30 Sekunden. Und selbst dann kann es passieren das uns der 1mm Bohrer einfach so abbricht. Diese Arbeit muss man wirklich in aller Ruhe machen und am besten im liegen auf dem Boden. Wie wir noch rausgefunden haben ist eine alte Metallgabel aus der Küche ein sehr gutes Werkzeug um den Stoffbezug plattzudrücken und so ein aufwickeln zu verhindern. 




Ausserdem haben wir die Kontur der Buchstaben mit einem Kugelschreiber der die selbe Farbe wie unser Garn hat einmal nachgezogen bevor die Löcher gemalt werden. So ist die Naht weniger offensichtlich und die Löcher sitzen alle perfekt gleichmäßig rundherum verteilt am Buchstaben entlang. Trotzdem sind wir sehr froh nur einen Ford und keinen Chevrolet oder Cadillac zu fahren. Dann wären wir wohl bis heute noch nicht fertig geworden. Auch so hat die ganze Operation mit vielen Pausen fast drei Monate gedauert. Beim Wiedereinbau waren nochmal zwei Helfer erforderlich. Jetzt sieht das Dach wieder vorzeigbar aus. 



Nur an die Metallleiste auf der Fahrerseite müssen wir nochmal dran. Die sitzt irgendwie nicht sauber an ihrem Platz. Ausserdem wurde die Seitenverkleidung nur provisorisch festgeschraubt (damit wir zu einem Oldtimertreffen fahren konnten), da wir hier nochmal dran müssen um endlich das Fangseil der Heckklappe gegen das passende Exemplar auszutauschen. Vielleicht gelingt es uns dann auch endlich mal die Heckklappe so einzustellen dass sie nicht immer voll durchhängt. Bis dahin bleibt erstmal alles genau so wie es ist. Schließlich wollen wir auch noch ein bisschen mit Herschel den Sommer genießen und nicht nur Löcher bohren.

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