Nachdem jetzt fast alle Alltagsautos wieder frisch gemacht und durchrepariert sind, könnten wir uns doch eigentlich mal wieder eine kleine Großbaustelle ins Haus holen. Aber bitte nicht wieder ein Blechfass ohne Boden. Davon haben wir noch genug in der Warteschleife hängen. Wie wäre es mit einem richtig alten Auto, von einem Hersteller der heute nicht mehr existiert? Alles was wir machen sollen ist die Bremsanlage einmal frisch machen damit der alte Herr (und sein Auto) es nochmal über die Alpen schaffen können ohne Zwischenfälle. Und vielleicht noch die eine oder andere Dichtung hier und da.
Aber um welches Auto kann es sich handeln? Wir wissen es ist ein englischer Zweisitzer mit Klappverdeck, Sechszylindermotor und Schaltgetriebe (mit Overdrive!). Das Baujahr ist 1967 und es ist erst in zweiter Hand. Bevor es nach Ostwestfalen verschleppt wurde, fuhr dieses Schmuckstück durch die Hitze von Arizona. An der Karosserie gibt es ausnahmsweise mal gar keine Arbeit für uns, von ein paar kleinen Lackschäden ist alles perfekt. Die letzte Hauptuntersuchung ist auch noch gar nicht all zu lange her. Aber nur weil es noch funktioniert, heißt dass nicht das es auch noch lange durchhält. Und besonders in den Bergen wird die Bremsanlage stark belastet und ein Ausfall wäre sehr schlecht. Wir erinnern uns nochmal an die Motorradtour über den Großglockner.
Es handelt sich um einen Austin-Healey 3000 Mk3. Dieser wurde bei der British Motor Corporation in Abingdon gebaut. Offensichtlich wurde damals gute Arbeit geleistet (und in den letzten 59 Jahren gut auf den Wagen aufgepasst), denn er steht immer noch verdammt gut dar und hat soweit bekannt den originalen Motor und Getriebe verbaut. Bei einer Laufleistung von 46700km wäre alles andere aber auch echt bedauerlich. Da dieser Roadster für den amerikanischen Exportmarkt gebaut wurde, befindet sich das Lenkrad auch auf der "richtigen" Seite. Wenn er wieder fit für die Straße ist wollen wir schließlich eine ordentliche Probefahrt machen. Im Moment sind wir davon noch ein gutes Stück entfernt.
Seit der letzten HU stand der Austin nur noch in seiner Garage. Trotzdem springt der Motor nach kurzem Orgeln gut an und läuft sauber im Stand. Sicherheitshalber kommt er auf den Autotrailer und wird so zur Garage gebracht. Dort folgt dann die erste richtige Bestandsaufnahme. Vom Eigentümer bekommen wir noch ein großes Teilepaket mitgeliefert. Im Extremfall soll die komplette Bremsanlage erneuert werden. Also Hauptbremszylinder, Bremskraftverstärker, Bremsleitungen, Bremsschläuche, Bremssättel und Radbremszylinder. Natürlich auch die Bremsbeläge und Bremsbacken. "Und alles was wir sonst noch so finden"
Die ersten Hürden müssen wir schon beim Aufladen überwinden. Ob es an den schlappen Reifen, der hohen Ladefläche oder doch am Gewicht des Fahrer liegt können wir nicht sagen. Jedenfalls bleibt der Auspuff an der Kante hängen. Dann eben doch aussteigen und den Wagen mit der Seilwinde hochziehen. So klappt es dann doch. Und zuhause pumpen wir erstmal die Reifen wieder auf und legen ein paar Holzklötze unter die Räder damit das Auto höher kommt. Man muss sich einfach nur zu helfen wissen. Die selben Hölzer brauchen wir auch anschließend um die Hebebühne richtig am Unterboden ansetzen zu können. Der Auspuff auf der Fahrerseite hängt aber auch wirklich verdammt tief.
Jetzt können wir endlich zum ersten Mal sehen wie es unter dem schicken Blech aussieht. Damit meinen wir sowohl den aktuellen Zustand als auch die grundlegende Konstruktion. Bis jetzt haben wir so ein Fahrzeug noch nie von unten gesehen. Irgendwie eine halbe Mischung aus Leiterrahmen und selbsttragender Karosserie. Die Hinterachse liegt oberhalb vom Rahmen und unterm Getriebe verläuft eine X-förmige Verstrebung die nicht herausnehmbar ist. Der Bremskraftverstärker befindet sich im rechten vorderen Kotflügel. Sehr fremdartig für unsere Verhältnisse. Aber das schreckt uns nicht ab. Insbesondere weil die Sachen mit denen wir uns voraussichtlich beschäftigen müssen offen zugänglich sind.
Dafür das hier so viel ausgetauscht werden soll, sehen die meisten Komponenten noch ziemlich neu aus. Offensichtlich sind in den letzten Jahren und Jahrzehnten doch schon ein paar Mal neue Teile eingebaut worden. Was jetzt letztendlich wirklich getauscht wird, schauen wir uns nochmal ganz genau an. Auch wenn die Teile eh da sind, wollen wir nichts sinnlos auswechseln. Im Zweifelsfall wachsen Ersatzteile auch nicht auf Bäumen. Die möglicherweise eingesparte Zeit werden wir ziemlich sicher an anderer Stelle investieren müssen. Sowohl der Motor als auch das Getriebe und die Hinterachse sind ölundicht.
Selbst wenn das klischeehaft ins Bild für englische Autos passt, haben wir trotzdem den Ehrgeiz diesen Roadster bestmöglich dicht zu kriegen. Bis dahin bleit er erstmal auf der Hebebühne stehen und eine große Pappe darunter ausgebreitet. Bleiben wir gespannt wie lange der englische Patient zur Behandlung bei uns bleiben wird. In den nächsten Wochen wollen wir versuchen alles fertig zu kriegen - wenn nichts unplanmäßiges dazwischen kommt.








Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Mit dem Absenden eines Kommentars bestätigst du, die Datenschutzerklärung (https://schlagzeilenkaefer.blogspot.com/p/impressum.html) zur Kenntnis genommen zu haben.
Mit Absenden deines Kommentars werden Name, E-Mail, Kommentar, URL, IP-Adresse und Zeitstempel in einer Datenbank gespeichert. Du kannst Deine Kommentare natürlich später jederzeit wieder löschen lassen
Indem du mir einen Kommentar hinterlässt, erklärst du dich AUTOMATISCH mit der Speicherung und Verarbeitung Deiner Daten durch diese Website einverstanden!
Dieser Blog ist mit Blogspot erstellt und wird von Google gehostet.
Es gelten die Datenschutzerklärung und Nutzungsbedingungen für Googleprodukte.