Freitag, 16. Oktober 2026

Wir sollten einen Jeep kaufen


Es war wirklich nicht so geplant. Aber kurz vor dem Besuch des Jeep-Treffen am Mammutpark wurden wir gebeten beim Kauf und Abholung eines kleinen Geländewagen mitzuwirken. Da lassen wir uns nicht lange bitten. Auch wenn es nicht wie gehofft ein Jimny oder Samurai sein sollte. Aber unterwegs  konnten wir immerhin bei einem Suzuki Autohaus ein kleines Schnäppchen machen - zumindest günstiger als die Gebrauchtwagen die dort auf dem Hof standen. 



Einen Dachgepäckträger wollten wir schon immer haben und auf dem Anhänger sollte ausreichend Platz sein. In Anbetracht der langen Fahrstrecke ist es vermutlich die beste Entscheidung das neue alte Auto nicht auf eigener Achse die gut 300km bis nach Hause zu fahren. Vor allem wenn man einen passenden Autotrailer und ein wirklich adäquates Zugfahrzeug vor der Tür stehen hat. Leider hat genau dieser Ford gerade ein paar Probleme mit der Zündung und fällt sporadisch in den Notlauf. Solange das nah an der Heimat passiert ist alles halb so wild - mit unserem Omega machen wir das Spiel seit Jahren mit. Aber bis Mainz wollen wir in diesem Zustand lieber nicht fahren. Selbst wenn es im Super-Bekanntenkreis mindestens ein weiteres Vehikel gibt dass einen ausreichend großen Trailer ziehen kann & darf. Der zweite Anhänger samt Ladung müsste dann auch noch irgendwie nach Hause geholt werden. 



Da nehmen wir doch lieber gleich ein anderes Auto das zumindest keine bekannten Probleme hat die uns unterwegs zum Verhängnis werden könnten. Zur Auswahl stehen der blaue VW Passat B5 V6 oder der schwarze Volvo V70 P26 Diesel. Bei den aktuellen Spritpreisen wäre der Ford mit LPG definitiv die günstigere Alternative gewesen, aber der Volvo dürfte auch noch sparsam genug sein, selbst wenn der Treibstoff teurer ist. So machen wir uns am Samstag Mittag, nach dem alle Feierabend gemacht haben, auf den Weg in südliche Richtung. Mit an Bord sind genug Proviant und Getränke für einen langen Tag. Wer weiß was wir unterwegs noch erleben werden. Baustellen und Staus wird es bestimmt geben.



Bedingt durch das Tempolimit mit einem Anhänger dauert die Fahrt selbst ohne besondere Zwischenfälle, kalkulieren wir etwa 4h bis zum ersten Zwischenstopp, dann nochmal 45 Minuten zum Händler. Mindestens eine Stunde vor Ort für die Besichtigung und den Kauf sowie mindestens 3,5h bis nach Hause. Das heißt wir könnten um 21h wieder passend zuhause sein. Manche von uns müssen am Sonntag früh raus und arbeiten gehen. Letztendlich kommen wir erst um 18h beim Händler, der zum Glück noch nicht Feierabend gemacht hat. Wäre aber auch zu ärgerlich wenn wir uns verpassen und jetzt mit leeren Händen nach Hause fahren müssen. So viele 1951er Hotchkiss M201 sind gerade nicht im Netz verfügbar. Wobei hier in der kleinen Halle gleich zwei Stück stehen, einer in olivgrün einer sandbeige und noch ein Willys M38 - die Glubschaugenfront gefällt uns aber nicht. Alternativ wartet draußen im Hof noch ein gut gebrauchter Mercedes G Wolf. 



Wenn es schon ein alter Jeep sein soll, dann bitte möglichst nah am Original aus dem 2. Weltkrieg. Dazu gehört definitiv auch die Front mit den kleinen Scheinwerfern die nach innen weggeklappt werden können um den Motorraum zu beleuchten. Da stört es auch nicht wenn es nur ein französischer Lizenzbau und kein originaler aus den USA ist. Dieses Exemplar aus dem Jahr 1951 dürfte noch in vielen Bereichen aus gebrauchten Originalteilen von Willys und Ford zusammengesetzt worden sein. Zumindest unter der Annahme das während der Restauration nicht zu viel Ausgetauscht werden musste. Ein Auto im absoluten Originalzustand ist quasi unmöglich zu finden und wenn dann definitiv ausserhalb unseres Budget. Mit diesem Exemplar könnte ein guter Kompromiss gefunden worden sein. 



Jedenfalls finden wir bei der gründlichen Inspektion von Karosserie und Rahmen keine schlecht gemachten Schweißarbeiten oder wildes Flickwerk. Das Bodenblech rostet an diesen Fahrzeugen sehr gerne durch, hier ist es augenscheinlich in einem top zustand. Das eine normale Anhängekupplung und ein Radio nachgerüstet wurden stört uns auch nicht. Ersteres ist immerhin vom originalen Zulieferer für die Schweizer Armee Jeeps gewesen und zweiteres ziemlich clever im Handschuhfach verborgen so dass es nicht direkt auffällt.  Die erste Probesitzung hinterm doch ziemlich großen Steuerrad verläuft zu unserer Zufriedenheit. Auch wenn die Leute früher bedeutend kleiner und schlanker waren, hat man trotzdem noch genug Platz. 



Ob die Sitzbank hinten auch so bequem ist wollten wir heute dann doch noch nicht testen. Wichtiger ist jetzt erstmal ob der Motor auch gut anspringt. Mit etwas Choke und nach ein paar Umdrehungen vom Anlasser erwacht der 2.2l große Benzinmotor zum leben. Für seine nominellen 60PS klingt er jedenfalls ziemlich kernig. Ob er den Jeep auch schnell nach vorne bringen kann, werden wir später hoffentlich noch testen. Jetzt schauen wir erstmal unter die Motorhaube und den Unterboden um die Technik zu überprüfen. Laut Verkäufer wurde der komplette Wagen restauriert und anschließend nur ein paar Jahre bewegt bevor der letzte Besitzer verstarb. Auf jeden Fall war er mit seinem Geländewagen nicht oft im schweren Gelände unterwegs. Dafür ist alles zu sauber und nichts verbogen oder abgewetzt. Das gefällt uns sehr.



Natürlich müssen wir auch mal ausprobieren ob die klappbaren Frontscheinwerfer auch wirklich funktionieren wie sie sollen. In der Tat kann man so den Motorraum ausleuchten, aber wie lange die Batterie das Spiel wohl mitmachen will können wir nicht sagen. Im Notfall kann der Motor auch mit einer Kurbel von Hand gestartet werden. Das ist heute nicht nötig. Also los zur Probefahrt. Die hydraulischen Bremsen funktionieren definitiv gut genug, die Lenkung ist weniger schwammig als befürchtet, aber das Fahrwerk ist mindestens genau so holperig und bockig wie bei den Samurais die wir kennen. Entweder man kann damit Leben oder diese Art von Fahrzeugen ist einfach nichts für jedermann. Darüber waren sich alle Beteiligten im Voraus klar und sind nicht überrascht. Dann ist jetzt nur noch die Bezahlung zu erledigen und dann kann der Jeep aufgeladen werden. 



Inzwischen ist es schon später am Abend und wir wollen langsam mal nach Hause zurück. Darum kümmern wir uns ums Aufladen und verzurren während nebenan die Kröten gezählt werden. Bei der Gelegenheit können wir direkt ausprobieren ob die Untersetzung im Verteilergetriebe noch richtig funktioniert. Diese wird per Hebel aktiviert und das geht nur wenn zuvor der Allradantrieb -per Hebel- ebenfalls eingeschaltet ist. Dann krabbelt der Jeep ohne Probleme die Rampen auf den Anhänger hoch. Nur noch alle Gurte anbringen und ordentlich festziehen. Die Frontscheibe klappen wir sicherheitshalber auch nach unten und verstauen das lose Zubehör im Kofferraum vom Volvo. Nicht das uns unterwegs irgendwas verloren geht. Besonders weil wir mit dem Auto auf dem Anhänger immer noch schneller fahren können als der Jeep aus eigenem Antrieb schaffen würde. 



Apropos Antrieb. Der Volvo braucht jetzt erstmal einen großen Schluck Diesel damit uns auf dem Heimweg nicht der Antrieb fehlt. Bei den aktuellen Preisen macht das wirklich keinen Spaß, aber der Blick in den Rückspiegel relativiert die schlechte Laune ganz schnell wieder. Zuhause müssen wir nur noch eine frische Hauptuntersuchung machen und dann kann der sandbeige Zwerg zurück auf die Straße. Passend zur kalten und nassen Jahreszeit ist das genau die richtige Art von Fortbewegungsmittel. Vielleicht kommen wir auch irgendwann dazu die Geländefähigkeiten zu testen. Wir werden berichten.

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