Freitag, 7. März 2014

Mit dem Vectra auf dem Standstreifen

Lange ist es her. Damals, als die Welt noch in Ordnung war und früher einfach alles [anders] war. Damals, als die Kuh mal Auslauf bekam. Achja, das waren Zeiten. Bevor es jedoch in Vergessenheit gerät, will ich euch davon berichten . . . 


Im Sommer 2007 hatte ich meinen Führerschein gerade ein gutes halbes Jahr, als ein paar Freunde und ich beschlossen in den Urlaub zu fahren. Der erste Urlaub ohne Eltern sozusagen. Nun ja, vielleicht nicht für alle, aber definitiv für mich, zumal ich auch mit meinen Eltern nicht sehr oft im Urlaub war. Ein Ziel war jedenfalls schnell ausgemacht. Campen an der Ostsee. Sehr idyllisch. Und da in unserem Reigen die Kuh das größte Auto war, stand auch eigentlich fest, dass ich fahren werde. Auch wenn wir schließlich mit zwei Autos fuhren, so fasste die Kuh definitiv das meiste Gepäck. Ich war etwas aufgeregt, denn seit der Fahrschule war es meine erste Autobahnfahrt. Soweit ist aber alles gut gegangen. Wir kamen gut an, machten schöne Ausflüge. Wir haben viel erlebt und vieles gesehen. Unter anderem hat der Vectra eine Radkappe verloren, ich mein erstes Parkticket bekommen, weil ich die Parkscheibe (für 6 Minuten Parken) vergessen habe und seit diesem Urlaub weiß ich, dass Navigationsgeräte die auf den Namen Olga hören alles andere können als navigieren. Es war ein sehr schöner Urlaub.

Doch irgendwann kommt immer das Ende und die Fahrt zurück. Dass diese so ereignisreich sein würde, hätte ich allerdings nicht gedacht. Unser Rückfahrteam hatte sich etwas dezimiert. Eine Freundin musste wegen eines dringenden Termins bereits mit der Bahn eher zurückreisen, so dass wir nun - streng westäflisch - die Fahrzeugbesatzung aufgeteilt haben: Frauenauto und Männerauto. Die Frauen hatten nicht nur Vorsprung sondern auch das Auto mit den meisten Pferdestärken, so dass diese auch schneller vorankamen. Wir Männer waren da etwas weiter abgeschlagen. Wir hatten gerade die BAB 2 in Höhe Wunstorf passiert, als uns ein etwas stechender Geruch auffiel. Komisch, was die da in der Baracke wohl machen, die da hinter der Böschung zu erkennen ist? Wir setzten unsere Fahrt fort. Immer tiefer musste ich das Pedal treten, damit die 71 PS uns zwei Männer mitsamt Gepäck die Berg hinaufbefördern konnten und die Geschwindigkeit immer weiter abfiel. Soweit normal - zumindest für die Kuh im Schweinsgalopp. Doch dann geschah das Merkwürdige. 

Von links überholte ein roter Kombi und hielt eine Zeit lang die Geschwindigkeit auf unserer Höhe, bis dass der Fahrer schließlich etwas weiter überholte und die Aufmerksamkeit von mir und meinem Beifahrer auf sich zog. Die Beifahrerin des roten Kombi hatte den Kopf zur Seitenscheibe herausguckend zu uns gedreht, schielte zu ihrer Nasenspitze hin. Ihre Wangen waren so dick aufgeblasen, dass jeder Hamster vor Neid erblasst wäre. In abwechselnden Bewegungen zeigten ihre Beiden Zeigefinger wahlweise auf ihre roten und mit Luft prallgefüllten Zwiebackbäckchen oder, abwärtsgerichtet, zu uns herüber. Während ich mich noch fragte, ob die in der Irrenanstalt heute Auslauf haben konnte mein Beifahrer fließend übersetzen:

"Die sagt du hast was mit deinem Reifen. Schnell! Fahr rechts ran!"

Was? Hatte er das verstanden? Ich konnte garnicht so schnell realisieren, wie ich ihn entsetzt anstarrte. Wieso hatte er das jetzt verstanden? Als er dann aber nochmal dringlichst darauf hinwies S C H N E L L auf den Standstreifen zu fahren, realisierte ich auch, dass die Gesten der Frau wohl die einzig logische Erkläung zuließen. Ich bog schnellstmöglich, sofern es der Verkehr ermöglichte, auf den Seitenstreifen und hielt an. Beim Ausrollen merkte ich auch etwas, das vorher nicht zu spüren war. Der Wagen holperte. Man merkte genau wo sich nun das Ei im Reifen befand. So ein Mist. So standen wir nun irgendwo kurz vor Lauenau mit einem kaputten Reifen auf dem Standstreifen. Nun ist guter Rat teuer. Was jetzt? Erstmal aussteigen und gucken. Und wahrhaftig, die aufgeblasene Frau hatte recht, der Reifen hinten links kaputt. Deswegen auch der stechende Gestank - das war vielleicht schon der Reifen. Aber warum ausgerechnet links? Wenn es jetzt wenigstens auf der rechten Seite gewesen wäre. Da hätte man noch genügend Distanz zur Fahrbahn gehabt, aber links? Wer arbeitet schon gerne mit dem Rücken zur Fahrbahn, wenn die Fahrzeuge mit hohem Tempo an dir vorbeisausen? Was nun?



Erstmal zuhause anrufen. Der Vater von meinem Beifahrer ist Polizist, der wird wohl wissen was zu tun ist. Gleichzeitig lief mein Beifahrer aber auch schon los zur nächsten Notrufsäule, während ich das Warndreieck aufstellte und ebenfalls zuhause Bescheidsagte. Leider war nach diesem verzweifelten Anruf dann auch der Handyakku leer. Das wars also. In der Zwischenzeit kam mein Beifahrer auch wieder. Der ADAC kommt gleich. Wir sollten unterdessen hinter der Leitplanke platznehmen, was jedoch in unserem Fall eine Betonmauer war, hinter der man neben viel Gestrüp und Müll jedoch auch die wunderschöne Fernsicht der Landschaft genießen konnte, bis dann schließlich der nette gelbe Engel vom ADAC anrückte und uns nach hinten absicherte. 

Erstmal das Auto weiter vorfahren und weiter rechts an den Rand fahren, damit auch der ADAC-Engel gefahrenfreier arbeiten kann. Doch damit er an den Reservereifen kam, mussten wir erstmal die Kofferraum mit dem ganzen Urlaubsgepäck ausräumen. Der stand dann mehr oder weniger motiviert auf der Autobahn herum. Vor Fahrtantritt habe ich alles kontrolliert, Ölstand, Wischwasser und auch den Reifendruck habe ich überprüft, aber an den Reservereifen habe ich nicht gedacht. Wie gut, dass der ADAC-Engel einen Kompressor im Wagen hat um den Reifen aufzufüllen. Danach ging es los. Er verwies uns hinter die Betonmauer und er wechselte das Rad. Das ganze war relativ schnell erledigt. Wir konnten die Sachen wieder in den Kofferraum räumen und weiterfahren. Am Autohof bei Lauenau wollte er dann den Papierkram mit uns regeln. Wir sollten schonmal vorfahren, er sammle nur noch schnell das Warndreieck ein und komme dann auch. 

Auf dem Weg zur Abfahrt kamen wir jedoch auch an der Brücke Deisterstraße bei Rodenberg vorbei. Vor dem Brückenpfeiler stand ein Wagen, ohne Warnblinklicht oder ähnliches. Was es damit wohl auf sich hat? Am Autohof angekommen warteten wir. Die Wartezeit wurde immer länger. Wir dachten uns schon, dass der ADAC-Mensch sicherlich nochmal angehalten hat, um dem Wagen zu helfen. Nach etwa einer Stunde kam er dann auch und erzählte uns, dass er bei dem Wagen angehalten habe. Dort säße eine Frau am Steuer die psychisch labil war, hätte gerade viele Familienmitglieder verloren und wüsste nun nicht wie sie auf die Autobahn gekommen sei, so wie überhaupt sei und wie sie nun hier wieder wegkäme. Unser ADAC-Engel hat dann wohl beruhigend auf sie eingeredet und gewartet bis das die Polizei und Psychologen anwesend waren. Was so alles passiert. 

Auf dem Autohof notierte sich der Engel dann noch alles Nötige für die Unterlagen, unter anderem auch den Kilometerstand des Vectra - damals mit noch knapp 47.000 Km. Da musste er auch schon ein zweites Mal hingucken. Seit diesem Tag bin ich froh Mitglied im ADAC zu sein, denn damals, als ich den Führerschein erst ein halbes Jahr besaß und von Auto(technik) bei Weitem noch nicht so viel wusste und verstand wie heute, hätte ich vermutlich garnicht gewusst was ich machen soll. Ich bin auch äußerst froh gewesen, dass ich meinen Beifahrer dabei hatte. Vielen Dank ;-) Inzwischen stelle ich mir jedoch die Frage, ob ich es wenn es nochmal auf der linken Seite passieren würde selbst versuche den Reifen zu wechseln oder nochmal den ADAC rufe? Wer weiß? Es sollte schließlich nicht das letzte Mal sein, dass mir der ADAC weitergeholfen hat. Doch das ist eine andere Geschichte . . .



1 Kommentar:

  1. Was einem so alles passiert wenn man auf der Straße unterwegs ist. Bis jetzt hatte ich selbst nur Unfälle, keine Pannen. Aber platte Reifen durfte ich zur genüge wechseln.
    Comickus

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