In Miami kann man mit Sicherheit noch deutlich mehr machen als nur am Strand liegen oder die Tierwelt bestaunen (haben wir beides gemacht), auch fürs Shopping und Essen gehen gibt es etliche Gelegenheiten, aber wenn es um Automuseen gibt ist das Angebot tatsächlich ziemlich dünn. Zumindest wenn man nicht nur die Showrooms von Neu- und Gebrauchtwagenhändlern abklappern will. Eine lobenswerte Ausnahme ist die private Sammlung von Dr. Joanne & Edward Dauer im westlichen Teil von Miami quasi direkt neben den Everglades.
Auf den ersten Blick sieht das Gebäude wie alle anderen in diesem Industriegebiet aus, bis auf das Schild am überdachten Eingang deutet nichts darauf hin welche Schätze sich im inneren befinden mögen. Direkt hinter der Tür steht zur Begrüßung ein Cadillac von 1929. Hier sind wir auf jeden Fall richtig. Diese Marke ist hier am meisten Vertreten. Aber das soll nicht heißen dass es hier nichts anderes gibt. Der Rundgang durchs Gebäude ist thematisch gruppiert mit passenden Hintergrundmotiven und Memorabilien die dazu passen. So stehen die Autos nicht einfach nur für sich sondern so wie es damals auf der Straße aussah.
Eine fast vollständig nachgebaute Texaco Tankstelle samt passendem Tankwagen passt einfach perfekt zusammen. Ob in der Realität jemals ein 1997er Bentley Azure und ein 1947er Crosley nebeneinander an der Zapfsäule gestanden haben ist uns völlig egal. Es sieht einfach gut aus, besonders wenn wie hier sämtliche Ausrüstungsteile der Reparaturwerkstatt authentisch und (wieder) voll funktionstüchtig sind. Diesen Anspruch haben die Begründer ganz offensichtlich für alle Fahrzeuge in der Sammlung erhoben. Entweder sie sind wirklich sehr gut erhaltene Originale oder von Grund auf restauriert und neu Aufgebaut. Gefühlt hat jeder dritte Wagen hier schon mal eine Auszeichnung gewonnen.
Auch wenn die ganz großen Karosserie und Lack arbeiten nicht hier direkt im Museum durchgeführt werden können gibt es natürlich trotzdem eine eigene Schrauberabteilung. Dort werden die Autos zwischengelagert an denen noch Arbeiten zu erledigen sind bevor sie in die Ausstellung dürfen oder wenn sie von einer Veranstaltung zurückkehren. Offiziell ist dieser Bereich nicht fürs Publikum zugänglich. Aber wenn man so lange vor dem kleinen Fenster steht wie wir und schaut was so alles hier rum steht kommt mit etwas Glück der Mitarbeiter vom Museum und lässt uns mal kurz mit in die Werkstatt. Dafür möchten wir uns an dieser Stelle noch mal ganz herzlich bedanken!
Wo man sich schon mal unterhält kommen wir ganz nebenbei in den Genuss einer privaten Tour durchs Museum und erfahren nicht nur viele Details zu den einzelnen Fahrzeugen sondern auch die Ursprungsgeschichte von dieser mittlerweile ziemlich umfangreichen Sammlung sowie der Logistik im Hintergrund welcher nötig ist um so viele Fahrzeuge zu kaufen, restaurieren, fahrbereit zu halten und auf Clubtreffen und anderen Events auszustellen. Kein Wunder das dafür ein festangestellter Mitarbeiter und diverse Teilzeitkräfte nötig sind. Das so viele private Sammlungen in den USA existieren und der Öffentlichkeit nie zugänglich sein sollen ist echt Schade. Egal. Hier dürfen wir sehen was ein Mensch in seinem Leben aufbauen kann wenn seine Leidenschaft die Chance hat sich zu entfalten.
Dann kann man sich auch einen Nachbau des kleinen Gemischtwarenladen bauen in dem die Eltern der Ehefrau ihr Geschäft hatten inklusive dem Lieferwagen mit dem die Waren ausgeliefert wurden. So ist es nicht einfach nur eine Sammlung oder Automuseum sondern auch Museum der eigenen Familiengeschichte. Direkt daneben steht einer meiner persönlichen Favoriten in diesem Gebäude: ein International Harvester Allrad Woody Wagon von 1954. Ursprünglich für die US Armee gebaut um in unwegsamen Gelände passende Bauflächen für unterirdische Raketensilos auszukundschaften. Die Kombination von Allradfahrgestell, groben Rädern und einer massiven Seilwinde mit dem schön geschwungenen Holzaufbau ist irgendwie ungewöhnlich aber doch schick. Wie unserer inoffizieller offizieller Museumsführer zu erzählen wusste ist die Straßenlage maximal unkomfortabel und so steht der Wagen bis auf eine kleine Bewegungsfahrt dauerhaft herum.
Aber haben ist bekanntlich besser als brauchen und so viele von diesen Fahrzeugen haben nie existiert geschweige denn überlebt. Aus dem selben Grund stehen hier auch alte Fernsehkameras und Sendeausrüstung aus den 40er und 50er Jahren, welche komplett restauriert und theoretisch einsatzbereit in der Ausstellung stehen - natürlich vor einem passenden Hintergrundbild das einem Kinoeingang nachempfunden ist. Apropos Kino, Amerika ist auch für seine Autokinos bekannt. Was liegt da näher als eine Gruppe amerikanischer Straßenkreuzer, egal ob Kombi Limousine oder Cabriolet vor einer Leinwand zusammen zu stellen so das man (nach Ladenschluss) sein ganz privates Indoor Autokino hat. Sowas könnten wir zuhause eigentlich auch machen.
Tatsächlich kann das Museum für private Feiern und Veranstaltungen gemietet werden. Für uns gibt es gerade keinen speziellen Anlass, aber vielleicht ist ja einer unserer Blog-Leser mal in der Situation in Miami eine Feier zu planen. Ob dann auch der original erhaltene Ford F100 der zum Good-Humor Eiswagen umgebaut wurde auch zum Einsatz kommt können wir leider nicht sagen. Aber eine bessere Art bei hoffentlich bestem Miami Sonnenschein durch die Straßen zu fahren und Eis am Stiel zu verkaufen können wir uns kaum vorstellen. Bis auf einen weiteren Dodge Sweptside Pickup von 1957 der zwei Plätze weiter steht sind Pickups in diesem Museum die absolute Ausnahme. Dafür stehen genügend andere äußerst interessante und schöne Automobile herum.
Mein zweiter persönlicher Favorit ist definitiv der rot-weiße 1971er Cadillac Commercial Chassis Serie 90 welcher von S&S zur Ambulanz aufgebaut wurde. Quasi die große Schwester von Hedwig, mit erhöhtem Dach, mehr Stauraum und rein äußerlich weniger dezent mit der auffälligen Farbgebung und Blinklichtern an allen Ecken und Enden. Im Gegensatz zu Hedwig ist hier auch (etwas) mehr medizinisches Gerät an Bord wie beispielsweise ein Defibrillator und EKG. Das wurde allerdings auch erst in den darauffolgenden Jahrzehnten ergänzt. Das die Begründer dieses Museum selbst im medizinischen Sektor beruflich tätig waren passt da nur allzu gut ins Gesamtbild, darum stehen ringsherum noch ein paar weitere Apparaturen vom Röntgengerät Baujahr 1906 bis zur Elektronen Mikroskop aus den späten 60ern.
So viel Elektronik steckt wohl in Summe nicht unter allen Autos die vorne in der ersten Reihe parken dürfen. Vom frühen Ford Thunderbird über Cadillac Eldorado Biarritz Cabrio und Dodge LaFemme ist hier nochmal ein Querschnitt durch die amerikanische Automobilbaukunst der 50er und 60er Jahre zusammengeführt. Leider fängt es draußen schon wieder an zu regnen, sonst könnte man direkt mit offenem Klappverdeck durchs Eingangstor raus auf die Straßen von Miami brettern und schauen was man noch so erleben kann. Aber wir haben ja immer noch unseren Mietwagen zur Verfügung.










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