Freitag, 25. September 2026

Volvo V70 Stoßdämpfer Hinterachse tauschen und Nivomat ersetzen


Totgesagte leben länger. Und Autos die man eigentlich schon längst verkauft haben wollte sind manchmal echt praktisch zu haben. Zum Beispiel wenn der Firmenwagen nicht mehr gewährt wird und das Sommerauto aufgrund äußerer Umstände mittelfristig auch außer Gefecht gesetzt ist. Wieder zurück im Alltagseinsatz müssen natürlich ein paar Dinge repariert werden die man ansonsten einfach wegignoriert und dem (potenziellen) Nachbesitzer aufgebürdet hätte. Zum Beispiel die undichten Nivomat Stoßdämpfer.



In der Vergangenheit haben wir im SZK bereits einmal einen älteren Volvo Kombi mit diesen ziemlich praktischen Niveauausgleich-Stoßdämpfern auf der Bühne gehabt um Ersatz einzubauen. Damals waren sie rein äußerlich noch voll in Ordnung aber der deutlich sichtbare Hängearsch ließ keinen Zweifel daran dass sie nicht mehr in der Lage waren das Heck vom Auto hoch zu pumpen damit es in allen Beladungszuständen gerade steht. Da dem Besitzer des besagten Volvo 965 sein Wagen besonders lieb und teuer ist wurden tatsächlich neue Nivomat Stoßdämpfer gekauft und eingebaut. Die Arbeit an sicht war schnell erledigt, aber die Ersatzteile allein kosten schon ein Vermögen(860€). Dafür steht der Kombi jetzt wieder wie eine Eins.



Für diesen V70 I mit inzwischen 320.000km auf der Uhr gab es vor gut vier Jahren eine weniger teure Lösung um den selben Effekt zu erzielen; verstärkte Fahrwerksfedern für die Hinterachse. Als Baustellenauto und Familientransporter ist ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis wichtiger als bestmöglicher Fahrkomfort. Unwissentlich haben wir damit schon den perfekten Start hingelegt um jetzt eine Menge Geld zu sparen. Die einzigen noch verfügbaren Nivomat Stoßdämpfer für den V70 I bei Skandix (nur für Modelle mit Tieferlegung!) kosten über 1550€ das Paar. Nicht nur wegen der schlechten Verfügbarkeit machte es wohl für ausreichend viele Menschen Sinn auf normale Stoßdämpfer umzubauen.



Darum bietet Skandix direkt passende Komplettpakete mit neuen Stoßdämpfern und Fahrwerksfedern für 325€ an. So viel Geld müssen und wollen wir hier gar nicht mehr in die Hand nehmen. Währen die Stoßdämpfer inzwischen nicht schon komplett undicht und tropfen auf den Boden, würden wir das schwammige Fahrverhalten einfach unter Komfort verbuchen und damit weiterfahren bis der Volvo uns endgültig verlässt. So wie es jetzt ist kann es wirklich nicht bleiben, nur weil die Hauptuntersuchung erst in ein paar Monaten fällig wäre. Also auf zum lokalen Teiledealer und ein paar neue Gasdruckstoßdämpfer für knapp 80€ erwerben. 



Der Einbau ist minimal aufwändiger als der Federwechsel allein gewesen ist. Wenn beide Teile zusammen getauscht werden sollen spart man sich einige Arbeitsschritte doppelt zu machen, insofern macht es aus mehreren Gründen Sinn Feder und Dämpfer gemeinsam auszutauschen. Sofern man dünn und gelenkig genug ist, braucht es für den Dämpfertausch keine Hebebühne oder Wagenheber. Ein paar Stecknüsse und Schraubenschlüssel sind alles was man braucht. Zunächst öffnen wir den Kofferraumdeckel und entfernen den Teppich sowie hinteren Laderaumboden. Der vordere Laderaumboden ist an seinem Scharnier mit jeweils zwei Schrauben (SW10) festgeschraubt. Diese lösen wir und ziehen das ganze Teil mit einem Ruck nach hinten/oben raus. 



Die Seitenverkleidung im Kofferraum muss dafür nicht extra ausgebaut werden! Dabei macht man sich nur unnötig Arbeit und bricht Kunststoffteile kaputt. Alles was wir erreichen müssen liegt jetzt offen vor uns. Das Domlager und die obere Halteschraube vom Stoßdämpfer. Bei unseren neuen Dämpfern ist kein neues Domlager dabei, darum lassen wir das Originale eingebaut. Zugegeben etwas fummelig gestaltet sich unter Umständen die obere Mutter zu lösen. Mit einer langen Stecknuss kommt man zwar gut an selbige heran, leider dreht sich gerne die Gewindestange mit. Offiziell braucht es dafür ein Spezialwerkzeug. Inoffiziell geht es zur Not mit einem 7mm Maulschlüssel und einem gekröpften Ringschlüssel + etwas Fluchen. Deutlich eleganter ist die Methode mit einem Schlagschrauber. 



Unten an der Achse lässt sich der Stoßdämpfer bedeutend schneller lösen. Mit einem 18mm Ringschlüssel lösen wir die Mutter der Aufnahmen und ziehen den Dämpfer von seinem Zapfen ab. Der originale Nivomat Dämpfer ist relativ klobig, lässt sich aber mit etwas fummeln nach unten herausnehmen. Die neuen Gasdruckdämpfer sind bedeutend schlanker und können einfach von unten nach oben eingefädelt und aufgesteckt werden. Ein Helfer der von oben die Mutter aufsetzt während man von unten festhält wäre jetzt eine echte Hilfe, aber es geht auch so. Auch wenn man wenig sieht und ständig Dreck von oben herunter rieselt. Sofern diese Hürde genommen wurde kann auch die untere Mutter aufgesetzt und festgezogen werden. 



Offizielle Drehmomentwerte haben wir nicht, aber gut fest sollte schon passend sein. Dann kann der Kofferraumboden wieder komplett eingebaut werden und die Operation ist abgeschlossen. Rein äußerlich sieht man keinen Unterschied, die Dämpfer tragen (jetzt) kein Fahrzeuggewicht, sie sollen nur die Schwingung der Karosserie schnell abklingen lassen. Zumindest der Schnelltest mit dem Körpergewicht auf der Anhängekupplung zu wippen bestätigt dass die neuen Dämpfer deutlich strammer sind als die alten. Sinnvoll wäre es natürlich auch die Dämpfer an der Vorderachse auszuwechseln. Aber das sprengt den aktuellen Zeit- und Kostenrahmen. Planmäßig soll der Volvo auch nicht mehr ewig bei uns bleiben. 



Auf der ersten Probefahrt fuhr sich der Kombi schonmal nicht schlechter oder bockiger als vorher. Dafür fiel uns ein Klappergeräusch auf. Nach etwas suchen und lauschen fanden wir auch dafür die Ursache: die Mutter am linken Federhalter hatte sich gelockert. Warum das genau jetzt passiert ist können wir nicht sagen. Jedenfalls kann der V70 jetzt erstmal wieder zurück in den Alltagsbetrieb geschickt werden. 

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