Montag, 26. Januar 2026

Suzuki Jimny GJ Getriebe ausbauen & Kupplung tauschen


Seit ungefähr drei Jahren macht die Kupplung im Jimny jetzt mehr oder weniger permanent Geräusche. Erst nur ein leises Quietschen das auch wieder verschwindet, dann nach dem letzten Geländeabenteuer auch mal komplett leise, jetzt dauerhaft sehr lautes Quietschen und mahlende Geräusche wenn die Kupplung getreten wird. Das klang echt böse und veranlasste mich schon mal auf Verdacht eine neue Kupplung auszusuchen. Jetzt lässt sich kaum noch Kuppeln und der Tag ist gekommen endlich alles in Ordnung zu bringen. Mit genügend Hilfe sollte alles an einem Tag über die Bühne gehen.



Abgesehen vom Preis der neuen Kupplung schreckte uns eigentlich nur der Arbeitsaufwand davon ab schon früher tätig zu werden. Aber wenn der Jimny gar nicht mehr fahrbar ist, müssen wir wohl oder übel durch dicke Schichten von Schlamm und Lehm graben um an alle Schrauben und Muttern zu gelangen. Wäre der Jimny nicht so oft im Gelände bewegt worden, wäre die Aufgabe deutlich einfacher zu schaffen. Aber dann wäre das Ausrücklager höchstwahrscheinlich noch lange nicht kaputt. Einen halbwegs fähigen Fahrer und normalen Gebrauch vorausgesetzt sollte eine Kupplung weit über 200.000km durchhalten. 



Bei unserem Jimny sind es nicht mal 130.000kmg geworden. Vermutlich würde es reichen nur das kaputte Ausrücklager zu ersetzen. aber wenn man schon so weit geht und das Getriebe ausbaut, sollte man keine halben Sachen machen und auch die Druckplatte und Mitnehmerscheibe ebenfalls erneuern. Auf persönlichen Rat des Rappelmann-Fahrers wollen wir auch noch den hinteren Simmerring am Motor und am Schaltgetriebe tauschen. Dort ist zur Zeit zwar nichts undicht, aber so schnell kommen wir hier auch nicht nochmal heran. 



Für den Ausbau vom Getriebe haben wir neben einer Hebebühne, einem Getriebeheber nur normales Werkzeug zur Verfügung. Bei der neuen Kupplung die wir besorgt haben ist ein Zentrierwerkzeug dabei, ansonsten wäre das wohl das einzige Spezialwerkzeug welches wir benötigen. Außer vielleicht Armen mit zwei Ellenbogen und Handgelenke die in beide Richtungen biegsam sind. Teilweise ist es echt verdammt fummelig und braucht Geduld und Fingerspitzengefühl an alle Schrauben, Stecker und Muttern zu gelangen. Die meisten Schrauben haben 10 12 oder 14mm Schlüsselweite. Das macht es einfacher den passenden Schraubenschlüssel zu finden.



*** Exkurs Suzuki Jimny GJ JB74 Kupplung tauschen***

Die erste richtige Fummelaufgabe ist die Demontage vom Schalthebel im Innenraum. Wir beginnen damit den Gummi-Faltenbalg am Schalthebel nach oben zu stülpen, dieser ist nur unter den Teppich gesteckt. Anschließend den zweiten, runden Faltenbalg ebenfalls nach oben krempeln. Jetzt sehen wir das Kugelgelenk vom Schalthebel und den roten Plastikring der ihn im Getriebe festhält. Um ihn und zwei Führungsschrauben zu lösen müssen wir eine weitere Gummimanschette entfernen. Diese verbindet das Getriebe wasser- und staubdicht mit dem Bodenblech der Karosserie.   



Dazu muss der Metallrahmen ringsherum einfach nur abgeschraubt werden. Da der Teppich verdammt stramm darüber verläuft haben wir die Vordersitze auf beiden Seiten losgeschraubt und das kleine Ablagefach unterm Armaturenbrett demontiert (zwei Clips seitlich), dann hat man zumindest etwas mehr Spielraum. Alternativ können die Sitze und Einstiegsleisten auch komplett ausgebaut und der Teppich entfernt werden. Jetzt sollte man freie Sicht auf die Kugel vom Schalthebel haben. Dieser muss samt Schalthebel nach oben herausgezogen werden. Dazu erst in Fahrtrichtung vorne und hinten die Schrauben entfernen und dann seitlich die beiden Rastnasen zusammendrücken. Falls die runde Plastikhülse unterhalb vom Hebel herausfällt kann sie einfach wieder in ihr Loch im Schaltgestänge gesteckt werden. 



Alle weiteren Arbeiten finden jetzt entweder unter der Motorhaube oder unterm Auto statt. Wir beginnen oben und arbeiten uns dann nach unten vor. Also die Haube öffnen und den Minuspol von der Autobatterie abschrauben. Anschließend an der Rückseite vom Motor den Schlauch der Getriebegehäuseentlüftung ausclipsen und lose hängen lassen. Wer möglichst wenig hin und her laufen will schnappt sich jetzt schon einen Schraubenschlüssel und löst die beiden oberen Schrauben der Kupplungsglocke zum Motor. Mit einem langen Schraubenschlüssel kommt man hier relativ gut dran. Für die restlichen Schrauben gehen wir unters Auto. Idealerweise mit genügend Gelenkstücken und langen Verlängerungen bewaffnet, ein paar Ratschenschlüssel sind auch echt hilfreich um Zeit zu sparen.



Wie bei einem Geländewagen üblich hat der Jimny ein Verteilergetriebe das mit einer kurzen Kardanwelle ans Hauptgetriebe angeschlossen ist. Diese Welle müssen wir ausbauen. Aber wenn die Welle nicht mehr im Getriebe steckt läuft dort das Getriebeöl raus. Darum müssen wir vorher das Öl ablassen und später wieder einfüllen. Entweder besorgen wir Neues oder wir verwenden das Alte nochmal. Oder man macht es wie wir und verschüttet soviel vom alten Öl das mit frischem Öl ergänzt werden muss. So oder so befindet sich eine Schraube mit 3/8 Zoll Innenvierkant seitlich links und unten am Gehäuse. Sinnvollerweise sollte man erst testen ob die Einfüllschraube gängig ist bevor man das Öl ablässt.



Mit einem sauberen Kanister und Trichter gelingt es uns das alte Öl aufzufangen. Im Leben dieses Jimny wurde das Getriebeöl bisher erst einmal gewechselt. Unsere große Sorge das sich Wasser im Öl befinden könnte bewahrheitet sich glücklicherweise nicht. Dann können wir jetzt die Kardanwellen abschrauben und demontieren. Aber nicht ohne zuvor mit einem Körner Markierungen an den Enden anzubringen damit sie jeweils in exakt der selben Position wieder am jeweiligen Flansch angebracht werden. Damit möglichst wenig Dreck hinten ins Getriebe gelangt, stopfen wir direkt einen Lappen dort hinein. Sollte kein Schlagschrauber zur Verfügung stehen kann alternativ ein langer Montierhebel durch die Kreuzgelenke gesteckt werden um diese zu Arretieren. 



Achtung! Die Kardanwelle zur Vorderachse kann man auseinanderziehen. Das sollte möglichst nicht passieren, oder zumindest nicht ohne eine Markierung anzubringen damit die beiden Hälften wieder in der selben Orientierung zusammengesteckt werden. Anderenfalls wird es ziemlich sicher Vibrationen im Fahrbetrieb geben. Als nächstes demontieren wir den Katalysator und die Querstrebe unterm Getriebe. Mit einem Schlagschrauber und reichlich Kriechöl sollte das eine einfache Aufgabe sein. Natürlich reißt bei uns eine der Einschweißmuttern am Auspuffrohr ab. Aber dafür haben wir ja ein Schweißgerät parat. Der Stecker für die Lambdasonde sollte unbedingt gelöst werden bevor das Auspuffrohr mit dem Katalysator vom Auto entfernt wird. Immerhin sind die Halter der Abgasanlage so positioniert das wir hier nichts abhängen müssen. 



Da wir den Luxus von drei Leuten die parallel am Auto haben voll ausnutzen wollen, schrauben wir gleichzeitig vorne und hinten am Getriebe. Vorne müssen sämtliche Schrauben ringsherum an der Kupplungsglocke, die zwei Schrauben am Anlasser, eine Mutter linksseitig und eine Schraube von vorne kommend auf der rechten Seite gelöst werden. Zudem auf der Beifahrerseite sämtliche Massekabel und Kabelhalter sowie der Nehmerzylinder für die Kupplung. Auf der Fahrerseite lösen wir noch einen Stecker und lösen zwei Clips um das Kabel oberhalb vom Getriebe komplett aus dem Weg zu ziehen. Zum lösen der Schrauben verwenden wir einen Schlagschrauber sowie zwei Gelenke und Verlängerungen. Das ist immer noch einfacher als mit einer Knarre immer nur eine Achtel Umdrehung zu schaffen.



Hinten am Getriebe müssen wir sowohl die Aufnahme vom Schaltgestänge als auch die eigentliche Getriebehalterung demontieren. Der Aluminiumhalter vom Schaltgestänge ist mit drei Schrauben festgemacht und kann dann nach hinten abgezogen werden. Der U-Förmige Alurahmen ist links und rechts oben am Getriebe festgeschraubt. Hier auch alles lösen. Nur die Schraube vom Schaltgestänge zum Getriebe ist jetzt schwer zu erreichen. Der Getriebehalter hat vier Schrauben zum Getriebe und zwei Schrauben (von oben) zum Rahmen hin. Spätestens jetzt sollte ein Getriebeheber untergestellt werden damit nichts abstürzen kann. 



Aus dem selben Grund ziehen wir einen Spanngurt unter der Ölwanne vom Motor her und haken ihn links und rechts am Rahmen ein, damit der Motor nicht nach vorne wegkippen kann. Wenn man das hintere Ende vom Getriebe etwas absenkt, gewinnt man Platz um die Schraube vom Schaltgestänge zu lösen. Danach ist das Getriebe eine halbwegs kompakte Einheit und kann nach hinten vom Motor abgezogen und nach unten abgesenkt werden. Jetzt sehen wir endlich mal woher das Geräusch herkommt. Den Fressspuren in den Fingern der Druckplatte nach zu Urteilen hat sich hier irgendwas nicht bewegt wie es sollte und auf der Oberfläche geschliffen. Wer weiß wie lange das noch gut gegangen wäre. Beim weißen Fiesta sind diese Finger damals ohne große Vorwarnung gebrochen. 



Auf der anderen Seite, in der Kupplungsglocke, sehen wir den verglühten Rest vom Ausrücklager auf der Kupplungsgabel sitzen. Der Kunststoffring ist komplett geschmolzen, das Metall blau angelaufen und das Lager festgefressen. Sobald die Kupplungsglocke und die Gabel gründlich gereinigt sind kann hier theoretisch bereits das neue Ausrücklager mit dem Drahtbügel fixiert werden. Wir wollen aber noch den Simmerring hinten am Getriebe tauschen. Also erstmal weiter die alte Kupplung demontieren. Ringsherum die Schrauben von der Druckplatte zur Schwungscheibe lösen und diese abnehmen. Wir tauschen auch den Simmerring hinten an der Kurbelwelle, also auch noch die Schrauben der Schwungscheibe lösen. Sofern kein Schlagschrauber zur Verfügung steht muss die Schwungscheibe mit einem geeigneten Montierhebel gegengehalten werden. 



Der alte Simmerring wird mit einem Schraubendreher aus seinem Loch gepopelt und der neue maximal vorsichtig wieder in seinen Sitz geklopft. Der Vorteil ist das wir jetzt ganz einfach die Schwungscheibe auf der Werkbank reinigen und das alte Pilotlager austreiben und ein neues installieren können. Auch das war im Lieferumfang der Kupplung enthalten. Jetzt die Schwungscheibe wieder an die Kurbelwelle schrauben (76Nm) und die neue Mitnehmerscheibe und Druckplatte ansetzen. Alles mit dem Zentrierwerkzeug ausrichten und die Schrauben festziehen, Suzuki gibt 23Nm, der Kupplungshersteller 28Nm. Nachdem der Simmerring am Getriebe gewechselt wurde kann das Ausrücklager eingesetzt und das Getriebe mehr oder weniger geschmeidig wieder an den Motor gesteckt werden. In unserem Fall brauchte es ein paar Versuche bis alles passt. Besser mehrmals versuchen als mit stumpfer Gewalt irgendwas kaputt zu machen. 



Jetzt muss eigentlich nur alles wieder zusammengebaut und das Getriebeöl aufgefüllt werden. Letzteres gelang nur mit etwas Sauerei. Eine passende Pumpflasche wäre hier hilfreich gewesen. In Kurzversion noch die wichtigsten Drehmomente: Schrauben Kupplungsglocke 55Nm. Schrauben Getriebehalter hinten 25Nm. Kupplungsnehmerzylinder 23Nm. Schrauben Kardanwelle Vorderachse und zwischen VTG und Getriebe jeweils 50Nm. Alle weiteren Schrauben haben wir nach Handgefühl festgezogen. 


***Exkurs Ende***


Wie gut die neue Kupplung funktioniert und welche Probleme wir drumherum noch hatten berichten wir euch dann beim nächsten Mal.








     



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