Noch mehr neue(re) SUVs kommen uns diese Tage besuchen. Heute ein 2013er Volvo XC60 der jetzt doch gerne mal neue Bremsscheiben und Bremsbeläge an der Hinterachse haben möchte. An sich gar kein spezielles Problem, nur muss man irgendwie die elektrische Feststellbremse besiegen, ohne irgendwas kaputt zu machen versteht sich. Das schreckt den Laien vielleicht ab, aber Vollblutbastler lassen sich davon nicht aufhalten.
Sobald das erfolgreich erledigt ist können wir den Volvo auf der Hebebühne positionieren, die Arme untersetzen und die Motorhaube öffnen. Nach 12 Jahren und über 140tkm sind wir uns sehr sicher das hier schonmal neue Bremsflüssigkeit eingefüllt worden ist. Damit gleich, wenn die Kolben zurück in den Bremssattel gedrückt werden, nichts überläuft müssen wir ein bisschen Bremsflüssigkeit aus dem Ausgleichsbehälter absaugen. Dafür benutzen wir eine große Plastikspritze. Wenn alles erledigt ist ergänzen wir die Bremsflüssigkeit natürlich wieder bis zur Max-Markierung.
Mit dem Schlagschrauber und einer 19mm Nuss lösen wir die Radschrauben und nehmen die Hinterräder vom Auto ab. Da die Räder relativ groß und schwer sind, haben wir die Hebebühne bis jetzt noch nicht ganz so hoch gefahren wie sonst. Sobald die Scheibenbremse offen vor uns liegt bringen wir den Volvo erstmal in eine bequemere Arbeitshöhe. Ab jetzt sollten die Arbeitsschritte genau so ablaufen wie bei jedem normalen Bremsenservice. Zum lösen des Bremssattel benötigen wir einen 13mm und 15mm Schraubenschlüssel für zwei Schrauben an den Führungsbolzen des Sattel.
Wenn der Sattel erfolgreich von seinem Halter getrennt wurde können wir uns direkt das Kolbenrückstellwerkzeug (oder eine große Wasserpumpenzange) greifen und den Kolben bis zum Anschlag zurück in den Sattel schieben. Im Gegensatz zu den Bremssätteln mit integrierter Handbremse bei Volkswagen (und vielen anderen Herstellern) muss hier nicht der ganze Kolben gedreht und gleichzeitigt gedrückt werden sondern wirklich nur der Kolben gedrückt werden - so wie an der Vorderachse. Das macht die Arbeit schon wieder etwas einfacher und besser in unseren Augen.
Da die Bremsscheibe ihr Verschleißmaß schon fast erreicht hat, wollen wir sie gleich mit tauschen. Dafür muss der Halter vom Bremssattel als erstes abgeschraubt werden. Die beiden Schrauben (SW16) auf der Rückseite sitzen sehr fest und der Platz reicht leider nicht aus um einen Schlagschrauber anzusetzen. Aber mit einer Verlängerung, Winkelgelenk und großem Knebel gelingt es uns trotzdem alle Schrauben schadlos zu lösen. Jetzt wird die Bremsscheibe nur noch von einer Schraube (TX50) an der Radnabe gehalten. Mit einem Schlagschrauber lässt sie sich normalerweise ganz einfach lösen. Sollte kein Schlagschrauber zur Verfügung stehen, sollte das Torxbit erstmal mit dem Hammer in die Schraube getrieben werden und die Bremsscheibe mit einem Schraubendreher durch die Belüftungsschlitze gegen den Bremssattelhalter blockiert werden.
In dem Fall macht es natürlich Sinn erst diese Schraube zu lösen und dann den Sattelhalter abzuschrauben. Egal auf welche Art und Weise wir die Schraube raus bekommen haben, jetzt muss die Scheibe sich von der Radnabe trennen. Dafür nehmen wir einen großen Hammer und schlagen ein paar mal ringsherum auf die Bremsscheibe bis der Rost sich löst. Anschließend nehmen wir eine Drahtbürste und reinigen die Radnabe und den Bremssattelhalter. Sofern die Führungsbolzen irgendwie schwergängig sind ist jetzt die Gelegenheit günstig sie zu entfernen, säubern und neu einzufetten. Leider passen in unserem Fall die mitgelieferten Führungsbleche für die neuen Bremsbeläge nicht zum Fahrzeug so das wir die alten säubern und wiederverwenden müssen. Die neue Scheibe ist mit Rostschutzöl eingesprüht welches wir vor der Montage gründlich mit Bremsenreiniger abwaschen müssen.
Die kleine Torxschraube wird nur Handfest angezogen. Die zwei Schrauben vom Sattelhalter bekommen erst etwas Schraubensicherungskleber und dann 110Nm Anzugsmoment. In den Sattelhalter setzen wir jetzt die neuen Bremsbeläge ein, an die Führungsnasen kommt jeweils ein bisschen Keramikpaste damit nichts festgammelt. Nun den Bremssattel wieder aufsetzen und mit neuen Schrauben und 35Nm festgezogen. Beim ansetzen des Sattel darauf achten das der Bremsschlauch nicht verdreht ist. Eigentlich müssen jetzt nur noch die Räder wieder aufgesteckt und ebenfalls festgezogen werden (140Nm). Mit dem Volvo auf dem Erdboden setzen wir uns hinters Lenkrad und betätigen die Fußbremse einige Male bis Widerstand spürbar ist. Dann kann die Bremsflüssigkeit im Ausgleichsbehälter ergänzt und alles wieder verschlossen werden.
Damit die EPB wieder funktioniert muss mit dem Diagnosegerät der Wartungsmodus beendet und der Anlernvorgang gestartet werden. Das funktioniert auch blitzschnell und wir können endlich in den verdienten Feierabend gehen.








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