Jetzt wo der englische Patient auf der Hebebühne hängt wollen wir auch gleich anfange ihn auseinander zu nehmen. Schließlich soll er noch vor Ende der Saison wieder zurück auf die Straße kommen. Ob das klappt wissen wir selbst noch nicht genau. Aber einen Versuch ist es wert. In der Theorie muss ja auch gar nicht soo viel dran gemacht werden. Nur das Getriebe ausbauen, die Kupplung wechseln, den Motor abdichten, die Hinterachse abdichten und die Bremsanlage frisch machen.
Da wir noch nie zuvor an so einem Auto geschraubt haben machen wir uns erstmal anhand der vorliegenden Werkstattliteratur schlau wie sowas abzulaufen hat. So lernen wir zum Beispiel dass der Getriebeölstand alle 5000km mittels Peilstab kontrolliert werden muss. Das spricht ja schon Bände darüber wie dicht das Getriebe in den Augen des Herstellers überhaupt sein kann und soll. Was uns noch wesentlich mehr überrascht und hoffentlich eine große Hilfe ist: das Getriebe kann (oder muss) nach oben durch den Innenraum herausgenommen werden. Ob das jetzt der einfachste oder schlimmste Getriebeausbau unseres Lebens wird können wir noch nicht abschätzen.
In der Reparaturanleitung steht noch dass der Motor mit einer geeigneten Konstruktion unter der Ölwanne abgestützt werden muss. Das ist erstmal nichts besonderes. Die Frage ist nur wie machen wir das? Eine Motorbrücke von oben lässt sich nicht anbringen und ein Stützbein von unten wäre unpraktisch da die Bühne dann nicht mehr bewegt werden kann. Da müssen wir uns jetzt was einfallen lassen. In der Zwischenzeit lassen wir schonmal das Motoröl ablaufen. Es sieht zwar noch nicht all zu trübe aus. Aber die Ölwannendichtung wollen wir ja eh erneuern und dafür muss das Öl definitiv runter. Das bringt uns auf eine Idee: wir schrauben die Ölwanne komplett ab und schneiden einen Holzbalken zurecht der genau auf die beiden Rahmenrohre und unter den Motorblock passt.
Dafür müssen wir noch den Anlasser und Kupplungsnehmerzylinder abschrauben. Jetzt wo die Ölwanne schon mal aus dem Weg geschafft ist, geht ersteres schonmal etwas bequemer. Aber ohne jetzt den Bremskraftverstärker oder das Getriebe auszubauen sehen wir keine Möglichkeit den Anlasser aus seinem Zuhause zu holen. Damit er uns nicht irgendwie doch auf die Füße fällt, wird erstmal alles mit Draht festgebunden. Immerhin passt das Kantholz jetzt stramm an seinen Platz. Ein paar Schrauben als Absicherung sollten ausreichen damit nichts verrutscht und der Motor später doch noch runterfallen kann.
Dann kommen wir jetzt zum Getriebe. Hier braucht zumindest kein Öl abgelassen werden. Dafür ist es ein verdammt großer Metallklumpen der quasi von allen Seiten eingefangen ist und scheinbar wirklich nicht nach unten ausgebaut werden kann. Ganz zu schweigen davon dass die hinteren Getriebelager schrauben von unten selbst mit größter Anstrengung nicht erreichbar sind. Das heißt die Anleitung hat nicht gelogen und wir müssen uns erstmal von Oben den Weg frei schrauben. Wobei wir zumindest die Vordersitze vom Unterboden aus lösen müssen. Jeweils sechs Schrauben (natürlich Zöllig) sind zu lösen dann können die Sitze aus dem Bodenblech gezogen werden.
Die Armlehne auf dem Kardantunnel wird am hinteren Ende von zwei Schrauben seitlich gehalten und vorne nur unter die Mittelkonsole gesteckt. Die Mittelkonsole trägt in diesem Wagen zwar noch ein Radio, dieses ist aber nicht mehr angeschlossen. So reicht es links, rechts und hinten jeweils die Schrauben zu lösen und die ganze Konsole über den Schalthebel nach oben hinten abzuziehen. Wir haben zusätzlich den Schaltknauf abgeschraubt um das Leben noch leichter zu machen. Jetzt sollte der Kardantunnel ausgebaut werden können. Dieser ist links und rechts mit mehreren Schrauben auf dem Bodenblech fixiert, diese sind unterm Teppich versteckt. Offensichtlich war dieses Teil schon seit vielen Jahrzehnten nicht mehr lose. Jedenfalls leistete das Dichtgummi ordentlich Widerstand.
Auch wenn es äußerst ungewöhnlich ist in so einem schicken Umfeld mit rotem Teppich, Leder und Holzfurnier zu arbeiten (und wir besonders vorsichtig sind) klappt es tatsächlich sehr gut die Schrauben oben an der Kupplungsglocke, dem Getriebehalter und der Kardanwelle zu lösen. Letztere hat ein integriertes Schiebestück so dass aus dem Getriebe kein Öl ausläuft wenn sie entfernt wird. Nur noch die Tachowelle und den Stecker vom Overdrive am Getriebe abschrauben und der Ausbau ist fast fertig.
Zunächst versuchen wir noch das Getriebe mit dem Getriebeheber von unten zu entlasten und so die Trennung der Kupplungsglocke zu erleichtern. Irgendwie will das nicht klappen. Letztendlich steht ein Helfer im Auto mit einem Hebegurt ums Getriebe geschlungen und der zweite Helfer drückt und Hebelt unten an der Glocke herum bis der Spalt sichtbar größer wird. Ein dritter Helfer ist beim finalen Ausladen des Getriebe aus dem Innenraum erforderlich. Und ein paar große Decken um den Einstiegsbereich zu schützen wären auch nicht schlecht.
Nun haben wir für heute alles geschafft was geplant war. Die Druckplatte und Schwungrad schrauben wir dann beim nächsten Mal ab. Dafür liegt auch schon passender Ersatz parat. Und ein Nachrüstsatz für einen Kurbelwellen Simmerring. Hoffentlich geht beim Einbau nichts schief. Bis dahin können wir erstmal das Getriebe gründlich reinigen und das Ausrücklager sowie den Getriebe Simmerring tauschen.









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