Montag, 20. Mai 2019

Ford Fiesta JAS: Ölwechsel, Manschette und Ventilspiel


Der Vorteil wenn man eine Reparatur schon mal gemacht hat ist ja das man schon ziemlich genau weiß was man machen muss und hoffentlich deutlich weniger Zeit braucht als beim ersten Mal. Der Nachteil ist das man schon vorher weiß was für eine elende Drecksarbeit und Fummelei mit schmutzigen Fingern bevorsteht. So wie der Tausch einer Antriebswellenmanschette am Ford Fiesta Mk5 bzw. Mazda 121. Doch das nützt alles nichts. Wir machen es einfach.  


Vor über zwei Jahren mussten die beiden äußeren Gelenkwellenmanschetten bei einem Mazda 121 getauscht werden. Heute ist der identische Zwilling Ford Fiesta in der Garage und braucht auch eine neue Manschette. Eigentlich war nur ein schneller Ölwechsel geplant, aber wie so oft kommt es anders als man denkt. Dafür kosten die Ersatzteile nicht sonderlich viel und mit dem passenden Werkzeug sollte es uns möglich sein die gesamten anstehenden Arbeiten an einem Nachmittag fertig zu machen. 


Um die kaputte Manschette zu tauschen muss die Antriebswelle aus ihrem Gelenk am Achsschenkel gezogen werden. Das macht wiederum eine teilweise Befreiung besagten Schenkels erforderlich. Also rauf mit dem kleinen Ford auf die Hebebühne und runter mit dem rechten Vorderrad, dann kommt man auch besser an die entsprechenden Schrauben und Muttern heran und kann sie mit reichlich Rostlöser duschen. Alternativ stehen der Schlagschrauber und ein kleiner Gasbrenner schon parat. 


Wenn die Verschraubungen des unteren Führungsgelenk und vom Spurstangenkopf gelöst sind müssen selbige nur noch aus ihrem konischen Sitz befreit werden. Den Spurstangenkopf lösen wir recht schnell mit einigen gezielten Hammerschlägen von der Seite gegen den Achsschenkel. Beim Führungsgelenk muss wieder mal die lange Brechstange zum Einsatz kommen. Damit gelingt es den Zapfen aus seiner Höhle zu locken. Mit einer Kneifzange durchtrennen wir nun die beiden Oetikerschellen mit denen die Manschette am Gelenk fixiert ist. Der Einfachheit halber schneiden wir die kaputte Manschette einfach auf und entfernen sie. So haben wir vernünftigen Zugang zum Gelenk Innenleben und beginnen erstmal mit den Reinigungsarbeiten. 


Einige Liter Bremsenreiniger sind sicherlich dabei drauf gegangen aber zu guter letzt ist das alte Lagerfett fast vollständig entfernt und man sieht endlich woran man arbeitet. Bis zu diesem Moment war die Arbeit eigentlich ganz simpel und einfach nur schmutzig, aber jetzt kommt der spanndende Teil für Menschen mit ruhigem Gemüt und Fingerspitzengefühl. Wir müssen den Seegering spreizen um die Antriebswelle aus ihrem Gelenk ziehn zu können. Selbst mit dem passenden Werkzeug brauchten wir fast eine halbe Stunde und etliche Versuche bis es uns endlich gelang den Ring zu öffnen. 


Ab diesem Zeitpunkt ist alles wieder ganz einfach. Neues Lagerfett ins Gelenk pressen. Neue Manschette über die Welle schieben und die Welle im Gelenk einrasten. Manschette übers Gelenk stülpen und mit zwei neuen Oetikerschellen festmachen. Führungsgelenk wieder zusammenstecken und Spurstangenkopf einsetzen. Alle Schrauben und Muttern werden entweder erneuert oder bekommen zumindest Schraubensicherungskleber verpasst. Die Mutter vom Führungsgelenk erhält 50Nm Anzugsmoment und der Spurstangenkopf 35Nm. Nur noch das Rad festschrauben und dieser Punkt ist erledigt. Weiter geht es mit zwei schnellen und einfacheren Reparaturen am Heck; eine Rücklicht-Birne ist durchgebrannt und das Gummi vom Scheibenwischer ist völlig verschlissen. Für diese Arbeiten braucht man wirklich keine Anleitung. Man sieht schon wie es funktioniert wenn man davor steht.


Das selbe lässt sich in ähnlicher Form auch über den nächsten Programmpunkt sagen; wir wollen das Ventilspiel kontrollieren und einstellen. Denn obwohl dieser Fiesta im Jahr 2000 gebaut wurde ist der Motor im Grunde noch der selbe Typ wie in meinem weißen Fiesta von 1991 und damals war der Motor schon uralt. Genauer gesagt basiert das Design auf einer Konstruktion aus den Fünfzigern. Nur hat dieser Wagen mittlerweile eine Zylinderselektive Benzineinspritzung dazubekommen. Das Ventilspiel muss trotzdem in regelmäßigen Abständen kontrolliert werden. Anderenfalls fängt der Motor mit der Zeit an recht laut zu klappern. Wie eine Nähmaschine. 


Tatsächlich konnte die Stellschraube (SW11) am einen oder anderen Ventil ein gutes Stück nachgezogen werden bis das Spiel wieder im zulässigen Toleranzbereich (Einlass 0,2mm Auslass 0,3mm) liegt. Bis auf eine neue Störende Kunststoffverkleidung zum Schutz des Multirippenriemen erfolgt die Einstellung genau wie bei meinem weißen Fiesta GFJ. Die neue Ventildeckeldichtung aus Kork wird vermutlich in zwei bis drei Jahren wieder undicht sein, ein guter Indikator wann das Ventilspiel wieder geprüft werden muss. Spätestens dann muss auch ein neuer Rippenriemen aufgelegt werden. Der Alte zeigt schon Alterungsspuren. 

Vor dem nächsten Winter sehen wir diesen Fiesta planmäßig nochmal wieder um den Unterboden für den Betrieb bei Schnee und Streusalz vorzubereiten. Aktuell hat der Wagen relativ wenig Rost und das soll nach möglichkeit auch so bleiben.

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