Kaum ist ein Auto 30 Jahre alt geworden, schon fangen die Probleme an. Erst verreckt der Zündverteilerfinger, irgendwo weit weg von zuhause und jetzt ist auch noch das Radhaus hinterm Tankstutzen durchgerostet. Wenn diese Audi A4 B5 nicht schon so lange im Familienbesitz wäre und ansonsten echt gut beieinander ist, hätte er spätestens jetzt sein letztes Reiseticket nach Afrika gezogen. Stattdessen landet er bei uns in der Garage damit die rostigen Stellen ausgeschnitten und neues Blech eingeschweißt werden kann.
Dafür müssen wir erstmal den Benzintank ausbauen. Das ist bei dieser Baureihe sogar verhältnismäßig einfach zu machen. Idealerweise ist der Tank dafür natürlich möglichst leer. Ansonsten kann man auch das Relais der Benzinpumpe überbrücken und einen Schlauch von der Benzintank-Ausgangsleitung in einen Reservekanister legen und so den Tank leichter machen. Da wir den Luxus einer Hebebühne, Getriebeheber und einem Helfer haben. Versuchen wir es mit dem zu 2/3 gefüllten Tank. Ein paar Sicherheitsregeln sind dabei aber trotzdem zu beachten: wie bei jedem Tankvorgang darf im Umfeld weder geraucht noch offenes Feuer gelegt werden. Ausserdem klemmen wir die Batterie ab damit es keine Kurzschlussgefahr gibt.
Im Kofferraum, unter dem Teppich, befindet sich ein runder Blechdeckel der mit drei Schrauben verschlossen ist. Diese entfernen wir um an die darunterliegenden Anschlüsse zu kommen. Der elektrische Anschluss kann einfach nach oben abgezogen werden. Die beiden Benzinschläuche sind mit Schraubschellen befestigt. In unserem Fall war der schwarze Schlauch der Vorlauf und der blaue Schlauch der Rücklauf. Im Zweifelsfall lieber ein Foto vom Originalzustand machen damit später alles wieder richtig angeschlossen wird. Um möglichst wenig Benzindämpfe in die Umwelt zu tragen verschließen wir die beiden Schläuche mit einer M8 Schraube und stecken zusätzlich einen kurzen Schlauchrest auf die beiden Anschlüsse am Benzintank.
Jetzt kann der Audi abheben um uns eine bequemere Arbeit von unten zu ermöglichen. Eine Schraube (SW13) hält den Tankstutzen im Radhaus fest und vier Schrauben die Tankbänder am Unterboden. Damit der Tankstutzen aus seiner Gummimanschette rutschen kann entfernen wir den Tankdeckel und stecken an seiner Stelle einen Stofflappen hinein, damit in der Zwischenzeit kein Dreck in den Tank fällt. (Es ist verdammt viel Dreck in dem Bereich überm Tankstutzen angesammelt gewesen). Mit dem Getriebeheber unterm Tank lösen wir vorsichtig alle Schrauben und senken ihn dann langsam ab. Unser Helfer passt auf das der Tankstutzen nicht hängen bleibt und der Tank nicht umkippt.
Wir stehen unterm Auto und lösen noch einen letzten Schlauch von der Tankentlüftung. Den dürfen wir später nicht vergessen wieder anzuschließen. Jetzt nur den Tank langsam weiter absenken und nach hinten ziehen bis er komplett vom Auto separiert ist. Für die Dauer der Reparatur wird der Tank außerhalb der Garage aufbewahrt. Bloß kein Risiko eingehen. Nun haben wir freien Zugriff auf die betroffenen Bereiche. Mit einem Schraubendreher wird ringsherum alles großzügig abgestochert um losen Dreck zu lösen und nach weiteren beinahe-Rostlöchern zu suchen. Wenn wir schon einmal dabei sind macht es wenig Sinn nur halbgar zu arbeiten. So werden aus einem Rostloch direkt drei bis vier.
Damit wir beim Austrennen der Roststellen keinen Kollateralschaden anrichten, bauen wir die Kofferraumverkleidung aus und lösen den Kabelbaum vom Radhaus. Die Gummimanschette vom Tankstutzen ist nur eingeclipst und kann locker rausgezogen werden. Den Tankdeckel schrauben wir gleich auch noch ab um mehr Platz zum arbeiten zu haben. Ein mit Wasser getränktes Handtuch dient als Brand- Funken und Staubschutz für den restlichen Innenraum. Zusätzlich halten wir eine Sprühflasche mit Wasser, die Pressluftpistole und für den Notfall einen Feuerlöscher bereit. Sicher ist sicher. Mit dem Druckluftwinkelschleifer und der Flex trennen wir die kaputten Bleche möglichst großflächig und geradlinig aus. Anschließend die Kanten glatt schleifen und den Lack bzw. Unterbodenschutz wegeschleifen damit beim Schweißen keine Verunreinigungen das Leben unnötig schwer machen.
Auf der Innenseite vom Radhaus befindet sich eine Dämmmatte die wir jetzt auch noch rausreißen müssen, sonst könnte sie gleich in Flammen aufgehen. Ein paar Streifen Kreppband und ein Filzstift sind alles was wir brauchen um passgenaue Schablonen für die Reparaturbleche anzufertigen. Diese schneiden wir aus und Kleben sie auf 1mm starkes Karosserieblech. Mit der Blechschere einmal ringsherum schnippeln und den Rest mit dem Bandschleifer zurecht kürzen. Starke Magnete halten das Blech für uns in Position während die ersten Schweißpunkte gesetzt werden. Da das Blech relativ dünn ist, dürfen wir nicht zu viel Hitze einbringen, sonst brennt das Blech weg und wir produzieren nur neue Löcher. Darum schweißen wir auf kleiner Stufe und nie zu lange an einer Stelle. Das sieht zwar nicht so schön aus wie eine glatte durchgehende Schweißnaht. Aber das geht hier gerade nicht anders.
Die beiden Löcher im Radhaus in Richtung Kofferraum waren uns ja bekannt. Aber als wir dann noch feststellen mussten dass die Seitenwand um den Tankstutzen ebenfalls angefressen ist hatten wir kurz keine Lust mehr. Zum Glück ist dieses Blech nicht direkt mit der Außenwand verbunden, das heißt die Hitze vom Schweißen führt nicht direkt dazu dass der Lack von außen sichtbar beschädigt wird. Mit einer Schablone wird das neue Blech nachgebaut und mit einer Zange der runde Flansch gebogen an dem später die Gummimanschette festhalten soll. Witziger weise haben wir draußen noch einen zweiten Audi stehen der nochmal 17 Jahre älter ist und an exakt der selben Stelle durchgerostet ist. Scheint so als ob hier kein "Vorsprung durch Technik" stattgefunden hat. Wer weiß ob dieses Problem jemals ganz in den Griff bekommen werden kann.
Im Zweifelsfall heißt es für uns einfach nur das auch in Zukunft keine Langeweile aufkommen wird was Karosseriereparaturen anbelangt. Zumindest so lange Autos die Autos noch unser privates Eigentum sein dürfen und ohne Software-Update schweißbar sind. Bleiben wir gespannt. Hier und jetzt sind alle drei Reparaturbleche eingeschweißt, verschliffen und mit Rostumwandler lackiert worden. Sobald die Grundierung trocken ist kommt noch eine Schicht Rostschutzfarbe, danach Karosseriedichtmasse und zum Abschluss Bitumen-Unterbodenschutz über die Reparaturstellen. In den Zwischenraum von den beiden Blechen am Tankstutzen und in den Innenraum kommt zusätzlich Hohlraumwachs hinein. Mehr können wir hier nicht machen. Gerüchteweise sollte es aber ausreichend lange Halten bis irgend ein anderer Grund zur Trennung an diesem Audi auftaucht.
Zum Beispiel die ziemlich verschlissene Kupplung (nach über 200.000km aber auch nicht überraschend) oder das etwas undichte Lenkgetriebe (darum kümmern wir uns vielleicht ein anderes Mal). Für uns bleibt jetzt noch der Wiedereinbau vom Benzintank und dann kann dieser Rentneraudi wieder zurück auf die Straße geschickt werden. Bis auf die Farbe und ein paar Ausstattungsdetails ist der tatsächlich eine perfekte Kopie unseres eigenen rubinroten A4 B5 von 1994. Beim Einbau leisteten die Tankbänder uns zunächst Widerstand bis alles genau an der richtigen Stelle saß. Die Benzinschläuche anzuschließen ist im Vergleich gar keine Herausforderung. Nur noch die Gummimanschette wieder an ihren Platz fummeln und den Tankdeckel anschrauben, dann folgt der erste Startversuch. Wenn man die Zündung ein paar Mal ein und aus schaltet hat die Benzinpumpe genug Zeit Benzin bis zum Motor zu pumpen woraufhin dieser auch prompt anspringt.










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