Montag, 20. Juli 2026

Spezialpassat Radlagerwechsel an der Vorderachse


Im Vergleich zum gelben Jimny haben die meisten Autos im erweiterten SZK Fuhrpark keine Probleme mit kaputten Radlagern. Und wenn es doch mal passiert, sind es meist Autos mit bald 30 Jahren und über 300.000km auf dem Buckel. Dann kann so ein Teil auch bei normalem Gebrauch mal den Geist aufgeben. Wobei die Radlager an der Vorderachse dieses VW bereits einmal vor fünf Jahren gewechselt wurden.



Wie viele Kilometer seit jener Zeit genau abgespult wurden können wir selbst nicht mehr genau sagen, auf jeden Fall sind es einige Zehntausend gewesen. Sofern das Material nicht von sehr minderer Qualität gewesen ist, müssen wir uns wohl eingestehen bei der Montage irgendeinen kapitalen Fehler gemacht zu haben. Hoffentlich machen wir diesen Fehler jetzt nicht nochmal und die neuen Lager halten länger als fünf Jahre. Andererseits weiß ohnehin niemand was die Zukunft für den Spezialpassat bringt. 



Für weniger als 50€ bekommen wir zwei Radlagersätze von unserem lokalen Teiledealer, darin enthalten sind auch gleich neue Muttern für die Antriebswellen sowie Spurstangenkopf und eine neue Schraube fürs Traggelenk. Diese Teile brauchen wir erst am Ende der Aktion. Jetzt muss erstmal alles abgeschraubt werden. Dafür stellen wir den Passat auf die Hebebühne, bringen ihn auf bequeme Arbeitshöhe und Schrauben die Vorderräder ab. Dank des Schlagschrauber geht das ruckzuck und auch die Zentralmutter der Antriebswelle leistet keinen echten Widerstand. Zu unserer eigenen Überraschung war die Antriebswelle noch nicht mal in der Radnabe festgegammelt. Es läuft.



Als nächstes folgen der Bremssattel samt Halterung. Wäre der Freiraum etwas größer gewesen, könnte man beides zusammen abschrauben. So muss es eben in zwei Schritten erfolgen. Als nächstes lösen wir die Muttern vom Spurstangenkopf, der Koppelstange und vom Traggelenk. Bis auf den Konus vom Spurstangenkopf der sehr fest im Achsschenkel steckte, war alles einfach. Mit einem dicken Hammer und ein paar gezielten Schlägen auf die Seite vom Konussitz lösen wir auch dieses Problem. Da die Antriebswelle sehr einfach raus ging hoffen wir beim Traggelenk genau so erfolgreich zu sein. 



Um unsere Chancen noch weiter zu erhöhen, benutzen wir ein Spezialwerkzeug das mit zwei Fingern am Querlenker eingehakt wird und eine Aufnahme für einen 1/2 Zoll Vierkant hat. So können wir unseren längsten Knebel einsetzen und mit ordentlich Hebelarm zur Tat schreiten. Früher hätten wir eine alte Eisenstange und eine dicke Kette genommen. Dafür braucht man allerdings meist zwei Leute und speziell bei diesem Passat wäre das Luftleitblech am Querlenker im Weg gewesen. Sobald das Traggelenk raus ist, müssen wir nur noch die zwei Schrauben am Federbein entfernen und schon kann der Achsschenkel samt Radnabe abgenommen werden.  



Inklusive Werkzeuge holen (mehrfach) hat die eine Seite gerade mal 20 Minuten gedauert. Die andere Seite geht noch etwas schneller. Jetzt muss nur noch das alte Radlager raus und ein neues eingepresst werden. Dafür fahren wir gleich zum Rappelmann-Fahrer nach Hause um die Werkstattpresse zu benutzen. So eine Maschine macht die Arbeit 100x einfacher. Damit wir vor Ort möglichst schnell und einfach durchkommen, bereiten wir hier zuhause schonmal alles bestmöglich vor. Also Staubschutzblech abschrauben und die Radnabe aus dem Lager rauskloppen. Natürlich musste eine der Schrauben runddrehen so das wir zum Winkelschleifer greifen mussten. Dafür klappte es mit der Radnabe deutlich besser. Einfach ein paar Holzklötze rundherum unterlegen und eine passende Nuss als Druckstück auflegen, den Rest macht der Hammer. 



Bei der einen Seite gelang es uns erfolgreich die Nabe vom Lager zu trennen, auf der anderen Seite wollte, wie beim letzten Mal der innere Lagersitz auf der Nabe bleiben. Abzieher und Gasbrenner brachten keinen Erfolg, also musste wieder zärtlich geflext und gemeißelt werden. Mit Geduld und Gewalt wird alles gut. Jetzt entfernen wir noch die Seegeringe vor und hinter dem Radlager und dann fahren wir los zur Presse. Vor Ort müssen wir erstmal wieder überlegen und herumprobieren wie man alles am sinnvollsten aufbaute damit das alte Lager raus geht ohne etwas kaputt zu machen. Aber wir sind ja kreativ und finden schon eine Lösung. 



Das einzige wirkliche Problem war der Durchmesser vom Radlager (71mm) zu dem wir kein exakt passendes Druckstück im Sortiment haben. Natürlich können wir einfach (wie beim letzten Mal) das alte Lager benutzen um auf den Rand des Neuen zu drücken. Blöderweise klemmt dann das alte Lager so tief im Achsschenkel fest dass es von Hand nicht zu lösen ist. Unsere geniale Lösung? einfach die Kugeln und inneren Lagersitz entfernen und ein Druckstück ins alte Lager einlegen welches nicht durch den engsten Innendurchmesser passt. So kann hinterher einfach mit dem langen Stabaufsatz quer durchs neue Lager hindurch gegen das alte Lager gepresst werden. Schwuppdiwupp und wir sind fertig. 



Zumindest mit dem eigentlichen Lager, jetzt folgen die Sicherungsringe auf beiden Seiten und dann muss noch die Radnabe eingepresst werden. Das selbe Spiel bei der zweiten Radnabe wiederholen und ab nach Hause. Der Zusammenbau am Auto klappe fast genau so schnell wie der Zusammenbau. Nur die Gummilager vom Stabilisator zur Querlenker wollten nicht kooperieren aber mit einer großen Zange klappte es dann doch noch alles so weit zusammen zu drücken bis die Mutter endlich packt. Bevor das Auto zurück auf seine Füße gestellt wird, ziehen wir die Mutter der Antriebswelle schon mal von Hand so weit wie möglich vor. Der Rest folgt auf dem Boden. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten die neuen Radlager noch ein deutlich spürbares Lagerspiel, das ist danach verschwunden. 



Die erste Probefahrt noch mit schief stehendem Lenkrad (die Achsvermessung wird übermorgen gemacht) bringt zumindest schonmal die positive Bestätigung das unsere Reparatur erfolgreich war, keine brummenden Geräusche beim Fahren oder in Kurven. Dann hat sich der Einsatz zumindest gelohnt. Jetzt ist endlich die Wasserpumpe wieder das lauteste Teil am ganzen Auto. Ach ja und die kaputte Schraube vom Staubschutzblech wurde einfach durchbohrt und mit einer neuen Schraube und Mutter ersetzt.


Anhang Schrauben und Muttern Drehmomente Federbein / Aufhängung Vorderachse: Mutter Radlager zur Antriebswelle 265NM bei Sechskantmutter, 90Nm+45° bei Zwölfkantmutter. Schraube Bremssattelträger 125NM. Mutter Spurstangenkopf 35NM. Mutter Traggelenkschraube 50NM. Schraube Federbein zum Achsschenkel 95NM. Mutter Koppelstange zu Querlenker 20NM. Alle selbst sichernden Muttern müssen ersetzt oder mit Schraubensicherungskleber versehen werden. 



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